Verfasst von: Hao | 20. Mai 2018

(Un)gebremstes Pfingstbrausen


Pfingstsonntag, 20. Mai 2018

Wenn ich schwach bin, so hilft mir der HERR. Psalm 116,6

Paulus schreibt: Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne. 2.Korinther 12,9

In der Schule, im sportlichen Wettkampf, in der Prüfung gibt es Leistungspunkte. Nach irgendeinem Punktsystem muss man die Leistung bewerten, einordnen und vergleichen können. Das Zeichen für die Leistungspunkte ist das Pluszeichen, und jeder möchte Pluspunkte sammeln. Mehr können, mehr leisten, mehr haben, mehr sein, solche Pluspunkte suchen wir. Zahlreich, erfolgreich, einflussreich ist die Steigerung des Lebens. Die Ideologie der Komparative hält uns besetzt: mehr, besser, weiter, schneller, höher, klüger, stärker, reicher … Und Hand in Hand mit der Gier nach dem Mehr wächst auch die Angst vor dem Weniger. Nur kein Minus!

Pluspunkte sind gut. Leistungspunkte sind wichtig. Auch Gott möchte kein Minus, sondern die Mehrung und Bereicherung unseres Lebens. Aber Gott bewertet nicht nach Leistung und vergibt Pluspunkte nicht nach Können, Wissen und Haben. Er vergibt Sünde und Schuld nach seiner Liebe. Bei Gott zählen nur die Liebe und die Lauterkeit. Gott freut sich an unserer Leistung, aber er liebt uns auch mit Schwachheit und Versagen. Gott gönnt uns alle Pluspunkte des Lebens, aber er bewertet uns nicht danach. Gottes Liebe zählt mehr als alle Leistung, und seine Güte ist der wichtigste Pluspunkt für uns!

Jetzt ist es da, das Brausefest. Doch auf den ersten Blick braust weniger als nix, jedenfalls bei mir in der Nacht. Sonst würde ich bestimmt nicht um 4 Uhr wieder mit einer frisch gefüllten Wärmflasche im Rücken am Schreibtisch sitzen, um mich mit diesen Zeilen einschlafreich zu schreiben.

Mein Zeit- und Lebensplan ist derzeit so was von durcheinander. Ich habe ich leichte Befürchtung, dass mir meine wichtige Lebensordnung zu entgleiten droht. Kein Wunder, habe ich doch heute morgen meine Bachkantate mehr oder weniger verpennt. Und das heißt schon was. Dann eben hier und jetzt. Youtube braust 24 Stunden ohne Pause.

 

Dennoch sitze ich, wie es sich gehört, treu und brav, eine Stunde später in der Gemeinde, um mich dort dem Pfingstbrausen zu stellen. Doch auch hier bleibt es verhältnismäßig ruhig, kein Wunder, hat doch der Akku meines Hörgerätes seinen Geist aufgegeben. Dennoch kriege ich das Meiste der Predigt mit. Nur nicht das Abendmahl, bei dem wieder einmal der Hao in die Röhre schauen muss. Ja, die SELK ist eben mal so. An dieser Stelle wird es leider wohl nie brausen.

Am Ende des Gottesdienstes teile ich spontan der Gemeinde mit, was mich in einer Woche in der MHH erwartet. Sie zeigt sich mehr als betroffen, denn viele Glieder versprechen mir für mich zu beten. Wenn das kein „Brausen“ ist?

Am Nachmittag sitze ich bei wunderbarem Kaiserwetter wieder auf meiner Bettkante, versehen mit langen und heftigen „jüdischen Bewegungen“, auch wenn ich mich nicht vor der Klagemauer befinde. Muss ich auch nicht.

 

Dem schließt sich ein lockeres Nachbarschaftsbrausen mit Anna und Helma an, diesmal eisig und frostig, denn Aldis ausgeräuberte Tiefkühltruhe sorgt dafür. Mit dabei auch ein neues Schmerzmittel, welches sehr wirkungsvoll sein soll. Hoffentlich braust es dann nicht weiter in der Nacht.

Pfingsten mit gebremstem Brausen. Während sich meine Umwelt mit viermotorigen Windbeuteln das Pfingstgeschehen kulinarisch auslegen lassen, treibe ich in der Nacht hier mein (un)pfingstlerisches Unwesen. Das Leben kann so (un)gerecht sein.

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Responses

  1. du Schelm…
    aber er war unglaublich lecker….

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    • Glaube ich Dir, obwohl er leider bei mir diesmal keine Pfütze auf meiner Zunge verursachte.

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