Verfasst von: Hao | 17. November 2017

Zeit für Tränen


Freitag, 17. November 2017

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1

Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Titus 2,14

Mein Licht

Da ist ein Licht in mir,
das immer wieder scheint,
auch wenn die Seele manchmal weint.
Ein Licht, das jeden Schatten überwindet
und aus jedem Dunkel findet.

Ein Licht, das Lebensfreude spendet
und mir Impulse sendet,
denen ich mich nicht entziehen will.
Glaube, Hoffnung, Liebe heißt dieses Licht,
das jeden Stolperweg durchbricht
und mich auf rechter Straße leitet

Das mich auch stets begleitet,
so lang´ ich hier auf Erden bin.
Aber ich muss bleiben in des Lichtes Spur,
bis zu den letzten Schritten meiner Lebenstour.
Und ich will stets dankbar sein
für meines Lichtes treuen Schein.

                                                      Erna Pelnasch

Weinen? Können Männer sich das leisten? Weinen ist etwas für Heulsusen, Warmduscher oder Depressionsfanatiker. Doch ein Normalhao? Hat er überhaupt Gelegenheit, flennend durch seinen Kobel zu laufen, um in seiner memmenhaften Schwäche Stärke zu zeigen?

Statistiker sagen: Im Laufe des Lebens weint der Mensch etwa 70 Liter. Geht man von einem durchschnittlichen Gewicht einer Träne von 15 Milligramm aus, reicht diese Menge für etwa 4,2 Millionen Tränen. Wie viele habe ich wohl schon geweint? Und wie werden die Tage aussehen, an denen noch welche hinzukommen? Ich meine natürlich echte und keine Filmtränen.

Heute war mal wieder so einer. Nein, stimmt nicht ganz. Nachts weint es sich bekanntlich leichter. Man(n) heult sich aus, im Dunkeln fließt es einfacher. Und das Schöne: Sind die Tränen weg, kann ich mich umdrehen und kann sofort weiterschlafen. Offensichtlich kann ich mir diesen Enttrauerungsluxus erlauben. Das Gleiche gilt auch für das große Geschenk der farblichen Träume. Mit anderen Worten: Auch beim Schlafen erlebe ich eine bunte (Traum)welt.

Und heute war es wieder einmal soweit. Nein, die Zeit der Flugzeugabstürze sind schon sehr lange vorbei. Damals flogen die Trümmer und landeten nur wenige Zentimeter vor meinen Füßen, die sich durch den Schock nicht mehr bewegen konnten.

 

Es sind ganz tiefgreifende Abschiedszenen, die sich seit meinem letzten Flugzeugabsturz in unregelmäßigen Abständen wiederholen. Obwohl ich deren Ausgang kenne, treibt dieser Abschied mir immer wieder im Traum und auch im danach folgenden Wachzustand Tränen in die Augen.

Dabei ist der Abschied alles andere als dramatisch. Es war doch nur ein wichtiger Schritt auf meinem Lebensweg zu dem, der ich jetzt bin und der ich noch werden soll.

Die Situation ist eindeutig. Ich habe den letzten Arbeitstag als Graveur in der letzten Gravieranstalt vor der Autobahn. Nein, ich wollte nicht kündigen, aber ich musste, weil es ein anderer wollte. Er schickte mich auf eine Evangelistenschule. Meine Zeit als Graveur war 1973 zu Ende.

 

Und da stehe ich nun an meinem letzten Arbeitstag. Die Tränen von 1973 kommen immer wieder, auch 2017. Und dann erfolgt im Traum ein Zeitsprung. Ich stehe wieder in der kleinen Werkstatt mit höchsten 30 Quadratmeter. In dem Raum steht mein Chef, Helmut Nöll. Doch die Werkstatt ist ausgeräumt, denn wenige Jahre nach meiner Kündigung meldete er aus Altersgründen sein Gewerbe ab.

Und nun stehen wir in der leeren Gravieranstalt. „Kannst Du Dich noch daran erinnern?“, werde ich gefragt. Und ob. Jeden einzelnen Zentimeter kann ich beschreiben, nicht nur im Traum, sondern auch noch heute.

Und dann kommen sie, die Tränen, bei ihm und auch bei mir. Wer das nicht versteht, wird es spätestens dann nachvollziehen, wenn er meine Trauerrede hört, die ich am 17.12.1997 in Remscheid Lennep gehalten habe. Hier kann sie auch mit vielen Bildern versehen nachgelesen werden. Traum und Wirklichkeit, Wirklichkeit und Traum. Das ist mehr als eine Träne wert, schreit nach einer Wiederholung.

 

Und die Realität? Ich greife zum Telefon, rufe Rolf an, will mit meinem  einzigen Arbeitskollegen sprechen. Aber ich erfahre von seiner Frau, dass er schon vor fünf Jahren verstorben ist. Ich bin geschockt. Das muss ich erst einmal verdauen, denn so schnell bin ich nicht.


Responses

  1. sehr berührend….
    schön, dass du deine Erinnerungen teilst, danke dafür

    Liken


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: