Verfasst von: Hao | 13. Oktober 2017

Freitag, der dreizehnte


Freitag, 13. Oktober 2017

Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. 5.Mose 30,14

Die Menge fragte Johannes und sprach: Was sollen wir denn tun? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Lukas 3,10-11

An der Theologischen Fakultät der berühmten Universität von Oxford wurden in den Examensarbeiten die Wundergeschichten aus dem Johannesevangelium bearbeitet. Die angehenden Theologen sollten über die Bedeutung des Wunders auf der Hochzeit zu Kana schreiben, auf der Jesus so viel Wasser in allerbesten Wein verwandelt hatte. Vier Stunden hatten die Studenten Zeit und alle schrieben eifrig Seite um Seite, was sie über diese Wundertat für Einsichten und Erkenntnisse gewonnen hatten.

Nur ein Student saß bis zuletzt regungslos da, sinnierte vor sich hin und hatte noch kein einziges Wort zu Papier gebracht. Der Professor mahnte ihn, er möchte, als es Zeit zum Abgeben war, doch wenigstens etwas schreiben. Der junge Theologe nahm seinen Federhalter und schrieb den einen Satz: „Das Wasser des Gesetzes erkannte Jesus, den Heiland, wurde rot vor Liebe und verwandelte sich in den Wein der Freude!” Und in solcher Freude von oben darf und kann man teilen.

Heute vor 55 Jahren lief zum ersten Mal „Bonanza“ im deutschen Fernsehen. Ich kann mich noch ganz gut an die Landkarte erinnern, die dann von der Mitte aus verbrannte. Jeden Samstag lief eine neue Folge. Wir hatten gerade einen TV bekommen und mussten die Eltern immer anflehen, das Gerät nicht auszuschalten, weil geschossen wurde und es zwangsläufig auch Leichen gab. Genau 431 Folgen gab es. Inzwischen sind alle Hauptdarsteller verstorben und sind uns nur noch im Gedächtnis und auf Zelluloid bzw. DVD erhalten geblieben.

 

Ach ja, heute ist mal wieder Freitag, der dreizente.

Es rappelt am Briefschlitz, es ist viertel nach sieben
Wo um alles in der Welt sind meine Latschen geblieben?
Unter dem Kopfkissen nicht und auch nicht im Papierkorb
Dabei könnte ich schwören, sie war’n gestern noch dort
Also eben nicht, dann geh‘ ich halt barfuß
Meine Brille ist auch weg, liegt sicher im Abfluss
Der Badewanne, wie immer. Ich seh‘ auch ganz gut ohne
Und die Brille hält länger, wenn ich sie etwas schone
So tapp‘ ich zum Briefschlitz durch den Flur unwegsam
Fall über meine Dackel auf ein Telegramm
Ich les‘ es im Aufsteh’n mit verklärter Miene:
„Ankomme, Freitag, den 13. um 14 Uhr, Christine“.

Noch sechseinhalb Stunden, jetzt ist es halb acht
Vor allen Dingen: ruhig Blut, und mit System und mit Bedacht
Zunächst einmal anziehn – halt, vorher noch waschen!
Da find‘ ich die Pantoffeln in den Schlafanzugtaschen
Das Telefon klingelt: „Nein, ich schwöre, falsch verbunden
Ich bin ganz bestimmt nicht Alfons Yondrascheck“
– Noch viereinhalb Stunden
Den Mülleimer raustragen, zum Kaufmann gehn
Kopfkissen neu beziehen und Knopf an Hose nähen
Tischdecke wechseln – ist ja total zerrissen
Hat wahrscheinlich der kriminelle Dackel auf dem Gewissen
Und wahrscheinlich war der das auch an der Gardine!
„Ankomme, Freitag, den 13. um 14 Uhr, Christine“

Zum Aufräumen ist keine Zeit, ich steck alles in die Truhe
Abwasch, Aschenbecher, Hemden – so, jetzt habe ich Ruhe
Halt, da fällt mir ein, ich hatte ihr ja fest versprochen
An dem Tag, an dem sie wiederkommt wollte ich ihr etwas kochen!
Obwohl ich gar nicht kochen kann! Ich will es doch für sie versuchen!
Ich hab‘ auch keine Ahnung vom Backen und back‘ ihr trotzdem einen Kuchen
Ein Blick in den Kühlschrank – drin steht nur mein Wecker
Noch mal runter zum Lebensmittelladen und zum Bäcker
Rein in den Fahrstuhl und Erdgeschoss gedrückt
Der Fahrstuhl bleibt stecken, der Dackel wird verrückt
Nach dreiviertel Stunden befreit man mich aus der Kabine –
„Ankomme, Freitag, den 13. um 14 Uhr, Christine!“

Den Dackel anbinden vor’m Laden, aber mich lassen sie rein
Ich kaufe irgendwas zum Essen und drei Flaschen Wein
Eine Ente dazu – ich koche Ente mit Apfelsinen –
Für den Kuchen eine Backform, eine Handvoll Rosinen
„Darf’s für 20 Pfennig mehr sein? Im Stück oder in Scheiben?“
„Ist mir gleich, ich hab‘ das Geld vergessen, würden Sie’s bitte anschreiben?“
Ich pack alles in die Tüte, „Vorsicht, nicht am Henkel anfassen
Sonst reißen die aus!“ – Na, ich werd‘ schon aufpassen!
Rabatz vor der Tür, der Dackel hat sich losgerissen
Und aus purem übermut einen Polizisten gebissen
Da platzt meine Tüte, es rollt die Lawine
„Ankomme, Freitag, den 13. um 14 Uhr, Christine!“

„Sind Sie der Halter dieses Dackels? Bitte mal Ihre Papiere!“
Das ist mir besonders peinlich, weil ich Papiere immer verliere
Ich schimpfe, ich weine, ich verhandle und lache
„Das kennen wir schon, komm’se mit auf die Wache!“
Um die Zeit müsste die Ente schon seit zehn Minuten braten
Und vielleicht wär mir der Kuchen ausnahmsweise geraten
Und ich sitz‘ auf der Wache, und das ausgerechnet heut‘
Dabei hab‘ ich mich so unverschämt auf das Wiedersehen gefreut!
Vielleicht ist sie schon da, und es öffnet ihr keiner –
Jetzt ist’s zwanzig nach vier, jetzt ist alles im Eimer!
Da fällt mein Blick auf der Kalender, und da trifft mich der Schlag –
Heute ist erst der 12. und – Donnerstag!

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