Verfasst von: Hao | 24. April 2015

Wenn ein Papst schielt…


Freitag, 24. April 2015

Der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen seinen Werken, die er tut. Daniel 9,14

Der Gutsherr sprach: Freund, ich tue dir nicht unrecht. Ist es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will? Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin? Matthäus 20,13.15

Als Lutheraner sehe ich natürlich bei dieser neutestamentlichen Losung das Gemälde vom Weinberg, welches hinter der Predella in der Wittenberger Stadtkirche hängt. Zu verdanken habe ich das meinem verehrten Lutherlehrer und Freund Gerhard Glaubig. Er war als Stadtbilderklärer so gut und prägend, dass sogar seine beiden Söhne in die Fußspuren des Vaters getreten sind.

Gerhard aus WittenbergDer Weinberg Gottes. Das Eber-Epitaph in der Stadtkirche Wittenberg, gemalt 1569 von Lucas Cranach d. J.

Weinberg1Der Weinberg ist geteilt. In beiden Hälften wird gearbeitet. Doch was passiert? Viel und doch nichts, jedenfalls auf der linken Seite. Dort die Katholiken im vollen Ornat. Geht man so etwa zur Arbeit? Und wie sieht diese aus? Die Zäune sind umgerissen, ein „Lagerfeuer“ brennt und der nicht nur für den Weinberg lebensnotwendige Brunnen wird doch tatsächlich mit Steinen zugeschüttet. Viel wächst nicht, die freien Stellen sprechen eine erschreckende Sprache. Es dauert nicht mehr lange, dann ist der Weinberg öde und leer.

011 Weinberg_Bildgröße ändernDoch wie sieht es auf der anderen Seite des Weinbergs aus? Anders, ganz anders. Da wird fleißig gearbeitet. Der Zaun steht fest, ist für Schädlinge nicht zu überwinden. Überall wird gepflanzt,  Unkraut entfernt, die Reben fachgerecht beschnitten und aus dem Brunnen quillt frisches Wasser, was Leben schafft, ohne das die Reben nicht wachsen können. Und Martin Luther, der „Chef“ tritt nicht als „Kassierer“ auf, nein, er lässt auch nicht wie der Papst arbeiten, sondern malocht höchstpersönlich in seinem schlichten „Arbeitszeug“ mit.

WeinbergUnd was passiert denn am Feierabend? Man will es nicht glauben: Da tritt der Papst mit seinem kompletten vatikanischen Hofstaat vor den Weinberg, geht Jesus entgegen und hält ihm dreist seine leere Hand entgegen: Zahltag ist angesagt.

Und wenn man jetzt einmal genauer in das Gesicht des Vertreter Gottes auf Erden schaut, dann sieht dieser böse, dreist und unzufrieden drein. Noch mehr: Er schielt tatsächlich: geld039Mit einem Auge auf Jesus, mit dem anderen auf den lausigen einen Dinar, den er gerade von Jesus bekommt. Schaut mal genau hin!  Und erst einmal die „Würdenträger“.  Jedes Gesicht hat ein anderes abschätzendes und vernichtendes Urteil gefällt: „Was für eine Sauerei? Sollen wir uns die etwas gefallen lassen? So geht es nicht. Papst, Du musst Dich jetzt wehren, es ist höchste Zeit, Du musst jetzt unbedingt die Gewerkschaft einschalten“.

Weinberg2

O-Zitat: „Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“

Wie anders dagegen die „Konkurrenz?“ Sie fordern nicht, sondern feiern am Feierabend mit Kind und Kegel einen schlichten Gottesdienst. Sogar Luthers verstorbene Kinder, hier in weißen Kleidern dargestellt, sind dabei. Und diese Versammlung geschieht ohne eine finanzielle Forderung dem Weinbergbesitzer gegenüber.

Ich weiß, das war die Sicht von 1569. Heute sieht es anders aus. Oder? Manchmal bin ich mir da nicht so ganz sicher. Wie dem auch sei: Es gilt immer noch: „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“

005 Weinberg_Bildgröße ändernWenn ich ehrlich sein soll, muss ich leider feststellen, dass ich heute eine faule Woche verlebt habe. Ich könnte mich jetzt rausreden und feststellen, dass ich mir das leisten kann. Doch ich bin mit einem solchen Zustand nicht unbedingt zufrieden, sonst brauche ich wohl am Morgen nicht erst aufzustehen. Ich bin einfach nur müde, einfach nur müde. Dabei habe ich keinerlei Schmerzen: Ich huste nicht mehr, die Glaskörperprüfung ist nicht mehr vorhanden, meine Haut ist total in Ordnung, Meine Blutwerte sind sehr zufriedenstellend, über mein Gewicht kann ich auch nicht klagen. Wenn nur nicht diese unendliche Müdigkeit da wäre.

MüdeMüdigkeit oder Motivation?  Das ist die Frage. Deshalb mache ich morgen auch eine Rosskur nach dem 1966 eigenhändig gravierten Motto:

Tus gleich


Responses

  1. Es ist gewiss so: Das Gemälde (oben) würde heute anders gemalt werden

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