Verfasst von: Hao | 12. November 2013

„Essen Sie schnell, bevor es sich die Ärzte anders überlegen!“


Dienstag, 12.11.2013

Lobe den HERRN, der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen. Psalm 103,2.3

Wir sind mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Römer 6,4

Wir Menschen waren, sind und bleiben recht eigentümliche Wesen. Da haben wir doch alles, was wir brauchen für das (ewige) Leben und trotzdem können wir nicht frisch, fromm, fröhlich und frei dieses in Fülle leben. Zu unserem Trost sei gesagt, dass diese gravierende Macke kein Relikt der Neuzeit ist.

LM.jpg

Wie anders können wir verstehen, dass schon die Psalmisten wenigstens eine gewisse Undankbarkeit gegenüber dem Schöpfer spürten? Und ist das heute weitestgehend nicht mehr vorhanden. Der Schreiber unserer heutigen alttestamentlichen Losung macht sich darüber Gedanken und greift zu einem rigiden Mittel. Er tritt sich bei seinem täglichen Gedankensport selbst in den Allerwertesten und fordert sich und auch uns auf Gott für seine großen Taten zu loben. Und die haben sich bekanntlich gewaschen: Vergebung der Sünden und das Heilen aller Gebrechen. Wenn das mal kein Grund zu einem morgendlichen Frühsport ist…

Frühsport

Ich lebe mich auf dem Zweierkobel ein. Es fällt mir leicht, denn ich habe einen Bettnachbarn, der mir schon Jahre bekannt ist, gibt es doch Gesichter, die kann man stundenlang sehen und hat sie doch in der nächsten Minute bereits wieder vergessen. Doch dann gibt es Menschen, die sieht man alle zwei Jahre einmal für 10 Minuten, aber diese bleiben hängen für alle Zeiten.

Gesichtserkennung

Wen sieht man nur alle zwei Jahre? Nein, nicht den Gerichtsvollzieher, sondern den TÜV-Prüfer. Rund 30 Jahre war der Bettnachbar Leiter der Gifhorner TÜV-Station. Und weil ich bis zum heutigen Tag immer noch alte Schleudern fahre, ist es denn auch kein Wunder, dass ich mir dieses wichtige Gesicht eingeprägt habe, denn er entschied über das Wohl und Wehe meines vierrädrigen Untersatzes.

Trabi-TÜV

Natürlich kannte er mich nicht mehr, dafür hat er aber sehr viel zu erzählen. Ich frage ihn nach Details über meinen Golf aus, er weiß auf jede Frage eine Antwort. Ich werde mir diesen freundlichen Mann warmhalten.

TÜV-Stempel

Meine Nacht war so erfrischend wie lange nicht mehr. Ein richtiges Bett und ein langer Schlaf, der leider bereits um 7 Uhr abrupt endete. Dafür werde ich mit einem wunderbaren Sonnenaufgang entschädigt.

Sonnenaufgang

Essen ist derzeit nicht drin, trinken ebenfalls nicht. Angeblich muss mein Abdomen frei werden, sein oder bleiben. Dabei habe ich am Samstagabend das letzte Mal etwas gegessen, leider das Falsche. So liege ich hier rum und verbringe meinen Tag mit dösen und denken an bessere Zeiten.

Lecker1

Kann ein Krankenhaus aus Versäumnissen der Vergangenheit lernen? Es ist möglich sein, allerdings gilt dieses wohl nicht für das Gifhorner Krankenhaus. So heißt es denn nach altbewährtem Muster: „Machen wir es uns heute doch mal wieder ganz einfach.“ Natürlich bekomme ich, heute haben wir schon Dienstag, keinerlei Informationen über die Einrichtung. Das kommt mir doch irgendwie sehr bekannt vor. Wenn ich was wissen will, muss ich mich wieder selbst durchfragen. Sogar das Wichtigste, die Frage nach meiner Versicherungsform, wird nicht gestellt.

Krankenhaus GF

Ich habe wenigstens ein Namensschild am Bett, aber kein Armband für den Fall, dass ich mal meinen Namen vergessen sollte. Auch von Krankenhausseelsorge ist nicht die Rede, warum auch? Da soll ich heute zum zweiten Mal mein Abdomen röntgen lassen. Dabei ist die letzte Aufnahme nicht mal 24 Stunden alt. Passiert mir das immer nur? Dennoch habe ich keinen Bock, mich erneut bei der Geschäftsleitung zu beschweren. Ich lerne aus der Erfahrung, dass von oben doch auch nur heiße Luft kommt und Nachfragen ab einer bestimmten Deutlichkeit nicht beantwortet werden. Dabei könnte alles ganz einfach sein, wenn sich mal die Verantwortlichen für einige Tage selbst ins Krankenhausbett legen und nicht in die Ledersessel pupsen würden.

Schlosssee

13 Uhr: „Essen Sie schnell, bevor es sich die Ärzte anders überlegen!“ Ein Imperativ, der aufhorchen lässt. Bis eben noch darf ich nichts zu mir nehmen, nicht einmal trinken, dann von einer auf die andere Sekunde ein gravierender Kurswechsel. Beim Essen überlege ich in der Regel nie. Dennoch ist bei der Nahrungsaufnahme ein äußerst fader Beigeschmack obwohl die Speise mundet. Es ist auch nicht das von mir verlangte Schnellessen, wer mich näher kennt, wird wissen, dass ich damit keinerlei Probleme habe. Es ist das „Raus“ und „Rein“ inne Kartoffel. Der Hao scheint dafür prädestiniert zu sein. Warum immer nur ich???? Endlich.jpg

15 Uhr: Eine mir unbekannte Ärztin sitzt vor meinem Bett. Ich erfahre, dass eine Magenspiegelung und ein CT auf mich warten. Wann? Das kann ich nicht sagen, ich habe Zeit, viel Zeit.

Magenspiegelung

Wenig später besucht mich der Kuchen-Reis-Pizza- und heute auch Ungerbuxenmann, der mich mit den notwendigen Bekleidungsutensilien eindeckt. Ich habe ja bis auf mein Netbook nichts dabei.

Nachschub


Ein freudiger Anruf erreicht mich am späten Nachmittag. Ein junger Jo
telefon_uralthanneumsbruder aus dem Nachbardorf erkundigt sich nach meinem Wohlergehen. Wie hat der Anruf mir gut getan. Zum Schluss beten wir noch miteinander. Wir nehmen uns vor, in Zukunft näher aufeinander zuzurücken. Ich bin gespannt.

Telefonzeiten

Das Abendessen fällt anfänglich etwas sparsam aus. Doch nach einer Bettelattacke verdoppelt sich das Angebot, wie ihr hier plastisch sehen könnt:

Doppelessen

20 Uhr: Als Krönung des Tages kredenzt man mir ein Liter meines überaus beliebten Lakritzwassers, sprich Kontrastmittel. Ein CT ist zu meiner Überraschung um 21 Uhr angesagt. Und das mit vollem Bauch. Gegen das CT habe ich nichts, wohl aber gegen das Gebräu. Weil in meinem Bauch nichts mehr will, sagt der Natschalnik „Njet“. Morgen geht’s weiter.  Nach 5 Minuten steht ein Weißkittel vor mir: „Der Doktor will sie heute sehen, er verzichtet auf die Einnahme des Kontrastmittels“. Na ja, es geht doch. Warum nicht gleich so? Wenn  ich mich erst einmal „normal abfülle“, um dann zu erfahren, dass ich noch einen Liter Haribolimo trinken soll… Ne, das muss der Hao nicht haben.

Haribolimo.jpg

Ich hab mal wieder flotte Sprüche auf den Lippen. Die sollen mir aber schnell vergehen, als das CT beginnt. „Wir haben eine Verdachtsdiagnose, nämlich Luft im Bauch an Stellen, wo sie nicht hingehört“. Die Untersuchung muss noch heute sein. Es fällt das Stichwort „Perforation“. Nein, das hört sich nun wirklich nicht gut an. „Der Arzt will noch mit ihnen sprechen“.  Ich sacke sichtbar zusammen und überlege mir, was ich wohl zuerst mache, wenn heute die  Endrunde eingeläutet werden soll.

Vor der Diagnose

Doch dann kommt sie wieder die große Freude, einmal mehr zu wissen und zu sehen als das komplette Wissen der ganzen weiten Welt. Ende und Anfang, nein, nicht Anfang und Ende. Fast mit einem Schmunzeln gehe ich in die Röhre, Ist es nun soweit? Bekomme ich jetzt den Marschbefehl nach oben? War meine Pampe nur ein billiger Trost, eine Erklärung des Unausweichlichen?  Nach wenigen Minuten ist die Untersuchung zu Ende. Der Doktor strahlt mich an: „Entwarnung“, meint der Weißkittel und signalisiert mir, dass sich die Verdachtsdiagnose Perforation nicht bestätigt. Da bleibe ich eben weiter „doof“ und reihe mich wieder in die Gruppe der Menschen, die derzeit noch glauben, aber noch nicht schauen. Ich bin damit einverstanden, Ihr hoffentlich auch.

Stilleben


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Responses

  1. Ich wünsche Dir nach all diesen Strapazen eine Gute Nacht
    und schließe Dich in mein Nacht-Gebet ein
    liebe Hasengrüße

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  2. Glückwunsch, die Anspannung ist erst einmal raus. Der Ballast bedrohlicher Gedanken, gegen die man/frau sich nicht wehren kann, ist aus dem Kopf. . Lehn dich zurück und lass dich in Ruhe durchchecken,das gibt soviel innere Sicherheit und Ruhe.
    „Großer Gott wir loben dich“

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  3. Doch ! Ja ! Natürlich freue ich mich darüber, dass du weiterhin zu denen gehörst, die glauben und noch nicht schauen dürfen ;-)

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  4. damit Haferflocken nicht zu Gips werden……
    man nehme eine Portion (dem Appetit entsprechend) grobe Haferflocken, z.B. Kernige von Kölln, übergieße sie mit der 1,5 fachen Menge heißer, kurz vor den Kochen stehende Milch, lasse alles ca. 20 Minuten quellen. Vor dem Verzehr noch etwas klein geschnittenes Obst und etwas Honig hinzu geben, genüsslich alles gut durchkauen, dabei reichlich einspeicheln, in kleinen Portionen schlucken, dazu reichlich trinken……….

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    • Bei mit quillt nur mein Magen…. hihihihihi Einspeicheln? Ich soll in mein Essen spucken?

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      • Spucken….?….witzig..(;-))))

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