Verfasst von: Hao | 29. Mai 2013

Welttag des Purzelbaumes


Mittwoch, 29. Mai 2013

Ich gab ihnen meine Gebote und lehrte sie meine Gesetze, durch die der Mensch lebt, der sie hält. Hesekiel 20,11

Jesus sprach: Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Matthäus 5,17

Gesetz und Gnade. Zwei wichtige biblische Begriffe, die nicht nur in der Kirchengeschichte, sondern auch auf „niedrigen Ebenen“ für viele Irritationen gesorgt haben.

Gesetze

In protestantischen Landen waren Altäre für Heilige verpönt. Was an deren Stelle setzen? Nur kahle Wände, wie kulturlose Bilderstürmer verlangten? Soll die arme Seele das Evangelium nur übers Ohr vernehmen, das Auge aber leer ausgehen? Cranach erfand für die Protestanten zusammen mit Martin Luther etwas Neues, ein spezifisch protestantisches Subjekt: die Rechtfertigungslehre in einem Bild zusammengefasst! Mit „Gesetz und Gnade“ schuf Cranach 1529 das idealtypische evangelische Lehrbild.

cranach1

„Gesetz und Gnade“ ist im Grunde ein Diptychon. Ein Baum trennt die beiden Bildhälften und scheidet das Geschehen in Altes (links) und Neues Testament (rechts). Zur linken Seite ist der Baum verdorrt, zur rechten hin grünt und blüht er. Erst der Sündenfall, dann die Erlösung.

Auf der linken Seite sieht der Betrachter im Hintergrund die Urszene, mit der der christliche Schlamassel beginnt: den Sündenfall. Im Vordergrund jagen Tod und Teufel den armen Sünder, der sich aus eigener Kraft nicht zu rechtfertigen weiß, zum Höllenschlund. Gibt es denn gar keine Rettung? Doch, am Rande stehen Moses und die Propheten mit den Zehn Geboten. Damit ist schon mal ein Anfang gemacht. Es gibt also die Gerechten. Doch da lauert auch die Gefahr der Selbstgerechtigkeit. Andere Interpretation: Der Mensch erschrickt vor der Erkenntnis, dass er die Zehn Gebote nicht einhalten kann.

In der rechten Hälfte vollzieht sich die Erlösung: Johannes der Täufer nimmt den Sünder bei der Hand und verweist auf den gekreuzigten Jesus, dessen Blutstrahl direkt auf den Sünder fällt und ihn von seiner Sünde reinwäscht. Eine paradoxe Bildfindung: Blutbesudelung als Reinwaschung. Der auferstandene Jesus besiegt Tod und Teufel und fährt gen Himmel. Im Hintergrund sehen wir noch etwas Vorgeschichte. Die eherne Schlange, die sich um das Kreuz ringelt, verweist auf das Kreuz Jesu; daneben steht Maria auf einem Hügel und empfängt die Verkündigung, ein Engel verkündet den Hirten auf dem Felde die Geburt.

Gerichtssaal

Gesetz und Gnade. Man muss die Begriffe stets zusammen sehen. Das Gesetz ohne Gnade knechtet und führt uns stets an unsere Grenzen. Gnade ohne Gesetz verkommt zur religiösen Schleuderware, die den Geber verachtet. Die lutherische Zentrallehre vom notwendigen Doppelcharakter der Offenbarung und des christlichen Lebens: Gott begegnet uns sowohl als fordernder und verklagender wie auch als schenkender und vergebender Wille.

Gnade

Chefvisite: Es klappt immer noch noch nicht so richtig mit meinen Ohren, die Infusionstherapie wird umgestellt. Der Arzt erkundigt sich ausführlich über meine Chemo. „Hat man vor- und nachher einen Hörtest gemacht?“ Ich verneine und erfahre, dass in meiner Chemo auch ein deutlicher Anteil von Platin enthalten war, der sich scheinbar u.a. auf das Hörvermögen niedergeschlagen hat. Spätfolgen der Chemo. Eigentlich „natürlich“, wenn man es dann auch weiß.

Es gibt Blogger und Blogger. Die einen tangieren einen nicht, weil sie nur abkupfern und keine eigenen Gedanken produzieren können. Die anderen haben manchmal so verrückte Ideen, dass man aus dem Staunen nicht rauskommt. Einer von dieser leider eher seltenen Sorte ist Theomix, hat er doch tatsächlich die Liste der Gedenktage um einen wichtigen Termin erweitert.

Theomix und ich

2009 beglückte der theologische Buchstabenjongleur in aller Stille seines bescheidenen Pfarramtes in Asbach-Kircheib zum 27. Mai zum ersten Mal die Weltgeschichte, indem er den ersten „Welttag des Purzelbaums“ einführte. Offensichtlich hat der Bruder aus Wuppertal, mit dem ich eine enge Kirchentagsfreundschaft pflege, ein Weltkulturbedürfnis getroffen. Nicht nur im Internet, sondern auch in der Presse findet dieser Weltgedenktag größte Aufmerksamkeit, wie hier zu lesen ist.

Theomix

Es bleibt abzuwarten, mit welchen sprachlichen Purzelbäumen der unermüdliche Blogger seine weltweite Gemeinde noch überraschen wird. So wie ich Jörg Wilkesmann-Brandtner, für mich ist und bleibt er der „Theomix“, kenne, wird der „Welttag des Purzelbaums“ sicherlich nicht der einzige Clou bleiben, der aus seinem Studierzimmer an die Weltöffentlichkeit dringt.

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Ach ja, müsste nicht jeder Tag ein Purzelbaumtag sein? Oder gibt es einen, an dem man sich nicht über die Liebe Gottes vor lauter Freude überschlagen könnte?

Freude

Ein weiterer Hörtest steht an. Nun wird in die Vollen gegangen, alles was in den Ohren gemessen werden kann, kommt auf den Prüfstand. Dabei wird auf meinen Wunsch das Licht gedimmt und die Knitter-Knatter-und Rauschphase beginnt. Ich komme mir vor wie auf Kirmes-Rennbahn aus den 60er Jahren. Einziger Unterschied: Es rappelt und stinkt nicht. Sonst sind die „Geräusche“ fast identisch. Aber was tut man nicht alles für einen freundlichen Hörkontrollweißkittel…

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Responses

  1. Ja, der liebe theomix lässt sich immer was Besonderes einfallen
    die Bilder von Euch Beiden gefallen mir immer wieder…….

    auch wenn Du keine Purzelbäume schlägst im Krankenhaus, so wird es doch langsam besser
    alles Gute für Dich , lieber Hao !

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  2. Eine Frage: Wo ist dieses Bild oben mit dem Weißbärtigen entstanden?

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    • Der war etwas durchgeknallt und lehnte nach einer Minute schon das Gespräch mir mir ab. Ich traf ihn beim letzten Katholikentag in Mannheim in der Fuzo.

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