Verfasst von: Hao | 19. Januar 2013

Unterwegs mit Gott – weil er Gerechtigkeit will


Samstag, 19.1.2013

Suchet den HERRN, alle ihr Elenden im Lande, die ihr seine Rechte haltet! Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut! Zefanja 2,3

Seid ihr mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Kolosser 3,1

Heute ist der Abschluss der Allianz-Gebetswoche. Ort dafür ist das CZG. Ich muss die Predigt halten. Doch trotz Zusage diese aufzunehmen, bleibt mein Stick leer. Darum hier diesmal  nicht meine Gedanken in tönernder, sondern in schriftlicher Form. Das hat den Vorteil, dass ich auch hier meine Bilder vom Abend zeigen kann.

Gersfeld

Zeig uns Dein königliches Walten,
bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh.
Du wirst allein ganz recht behalten.
Herr mach uns still – und rede Du. Amen

Unterwegs mit Gott – weil er Gerechtigkeit will.

001Paradies_Bildgröße ändern

Haben wir nicht alle große Sehnsucht nach einem Paradies? Nein, ich meine nicht ein Preisparadies, sondern den Ort mit dem Baum in der Mitte, der der Anfang vom Ende war. Ein Ort, an dem alles im Lot ist, wo Menschen menschlich miteinander umgehen, es keine Schmerzen und keinen Tod mehr gibt, an dem der Frieden und die Gerechtigkeit Gottes herrschen.

Immer wieder versuchen wir in unserer kleinen Welt Paradiese zu schaffen, aus denen wir dann aber rausgeschmissen werden.

002 Jerusalem_Bildgröße ändern

In einem Paradies lebten auch die ersten Christen mitten in Jerusalem. Hier die paradiesische Beschreibung. Zu finden ist sie in Apostelgeschichte 2, 42-47

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Welch ein Paradies. Eine Traumgemeinde, in der alles, aber auch wirklich alles stimmt. Ein Herr, ein Glaube, eine Kasse und keine Rangordnung. Zeichen und Wunder waren an der Tagesordnung. Mehr geht nicht. Hier wird der Wille Gottes gelebt. Die ersten Christen sind unterwegs mit Gott und seiner Gerechtigkeit, die in der Gemeinde groß geschrieben wird.

Unterwegs mit Gott – weil er Gerechtigkeit will.

Gerechtigkeit? Was ist das eigentlich?

Ganz nüchtern heißt es im Internet: „Der Begriff der Gerechtigkeit bezeichnet einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen den beteiligten Personen oder Gruppen gibt“.

Verstanden? Ne? Ich musste es auch zweimal lesen.

Gerechtigkeit auf lateinisch heißt: Justitia.

003 Justitia_Bildgröße ändern

Die Justitia wird bei den Griechen dargestellt als eine Jungfrau mit Augenbinde, einer Waage und einem Schwert. Sie soll absolut unparteiisch sein und nur Fakten und nicht die Person werten, um dann Recht zu sprechen.

Unterwegs mit Gott – weil er Gerechtigkeit will

Will Gott wirklich Gerechtigkeit wie die Justitia, Gerechtigkeit mit Augenbinde, Waage und Schwert?

Ich behaupte „Nein“. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es kein ungerechteres Wesen als Gott gibt. Das ist genauso ein provokativer Satz wie der Hinweis eines Predigtbruders, der zum „Ungehorsam“ aufrief, weil man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen.

Zu dieser Erkenntnis muss man kommen, wenn man bereit ist, die oft ausgetretenen und ausgeleierten Pfade unseres Glaubens zu verlassen, um die wahren Fakten und Eigenschaften Gottes zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn sie uns schon lange vertraut sein sollten.

Gott ist ungerecht

004 Alkoholiker_Bildgröße ändern

Denkt ihr denn, dass der Vater des verlorenen Sohnes gerecht war? Nach den Eskapaden mit den Damen von der B 188 und den Schweinen bekam der heruntergekommene Playboy tatsächlich kommentarlos wieder die Prokura für den Familienbetrieb übertragen. Und der brave zweite Sohn, der sich zu Hause für das Wohl der Familie den Buckel krumm machte, wurde für seine Treue abgewatscht. Der Vater läuft dem Lebemann sogar noch entgegen, als er ihn nach Jahren des Wartens am Horizont entdeckt. Ist das etwa gerecht?

Gott ist ungerecht

005 Weinberg_Bildgröße ändern

Und wie war es mit den Arbeitern im Weinberg? Während die einen den ganzen Tag in der Hitze des Orients wie die Verrückten schufteten, brauchten die anderen nur eine Stunde zu arbeiten und hatten den gleichen Lohn eingesackt. Ein Wahnsinnsgeschäft. Die Letzten werden die Ersten sein. Da würde jede Gewerkschaft mit Recht auf die Barrikaden gehen. Diese Ungerechtigkeit ist doch himmelschreiend.

Gott ist ungerecht
Während wir Menschen nach Weisheit und Bildung streben, will Jesus uns auf die Stufe eines Kindes stellen. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“.

006 Kind_Bildgröße ändern

Gott ist ungerecht:
Ich könnte den ganzen Abend von der „Ungerechtigkeit Gottes“ reden und wäre am Ende bei Auschwitz, Buchenwald oder bei dieser Todesanzeige. Da kann ich doch nur sagen: Gott ist ungerecht.007 Todesanzeige_Bildgröße ändern

Gott ist ungerecht,
wenn er den unschuldigen einzigen Sohn, wenn er sich selbst ans Kreuz schlagen lässt.

015 Kreuz_Bildgröße ändern

Merkt ihr, wie viel Sprengstoff in der Behauptung steckt, Gott sei gerecht? Er hat eine Augenbinde, eine Waage und ein Schwert und regiert die Welt nach dem Motto . „Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen“.

Wenn das wirklich die Vorstellung von Gott und seiner Gerechtigkeit ist, können wir Christen einpacken.

Aber wie ist das denn nun mit der Gerechtigkeit Gottes? Wie kriege ich es denn wieder hin, damit ich Gott als einen gerechten Schöpfer erkenne und anerkenne?

Gericht

Die Jungfrau Justitia hat die Augenbinde, die Waage und das Schwert. Sie hat also keinerlei Gefühle. Und wenn der Angeklagte noch so sympathisch ist und weint: Die Justitia spricht ein Machtwort und lässt sich nicht durch solche Äußerlichkeiten beirren. Sie hat das Gesetz auf ihrer Seite.

Gott hat etwas, was sich keine Rechtsprechung in der Welt leisten kann. Er hat die Liebe, weil er in Jesus die personifizierte Liebe ist. Und deshalb:

Gott ist gerecht

013Kreuz_Bildgröße ändern

Er liebt den verlorenen Sohn, nimmt ihn wieder an ohne Wenn und Aber, ohne eine einzige Konsequenz. Und: Er vergibt ihm.

Gott ist gerecht:

Er liebt die Menschen, die keine Möglichkeit hatten die Arbeit im Weinberg am Morgen anzufangen und stellt sich zu ihnen gibt ihnen, die keine Hoffnung haben, auch eine Chance.

Ernte

Gott ist gerecht:

Jesus liebt nicht nur die Kinder, sondern er stellt sie uns als Vorbild da, damit wir nicht über uns hinauswachsen.

012 Kinder_Bildgröße ändern

Gott ist gerecht,
wenn er seinen Sohn ans Kreuz schlagen lässt. Er, der die Schuld der Welt trägt, muss von Gott verlassen werden. Gott drückt auch da kein Auge zu.

Kreuz

Gott ist gerecht

Was Unglücke und Katastrophen und menschliche Verwirrungen betrifft: Es ist eine Sprache Gottes, die wir alle nicht verstehen, auf die wir keine Antwort wissen, die wir aber zu hören haben.

2Judenverfolgung
Sie ist da, die Gerechtigkeit Gottes, die prall mit Liebe gefüllt ist. Und die Liebe ist so entscheidend, dass Paulus sie sogar über den Glauben stellt. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe“. Und was ist das Größte? Die Liebe. Unfassbar, besonders für Christen aus dem evangelischen Lager.

Das kann sich Gott und nur allein Gott leisten: Die Liebe. Damit macht er seit Bestehen der Welt nur ein Zuschussgeschäft.

016 Barmherzigkeit_Bildgröße ändern
Meint ihr denn, dass Allah und Co die Menschen lieben würde? Seinen Feinden kommt Gott im Koran nicht entgegen. Die ihm keine Dankbarkeit erweisen, haben von ihm nur Zorn und Verurteilung zu erwarten. Gott „liebt“, so sagt es der Koran, nicht Ungerechte, Ungläubige Übertreter und die, die Böses tun. Da ist Gnade ein Fremdwort, weil dort im wahrsten Sinn des Wortes, die Augenbinde, die Waage und das Schwerter das Sagen haben. Wer sich gegen die Scharia, also der göttlichen Ordnung des Korans stellt, hat schon verloren. Lasten werden nicht abgenommen, sondern aufgelegt.

017Handschellen

Und genau den Ungerechten, Ungläubigen, Übertretern und die, die Böses im Sinn haben, läuft Jesus nach, weil er hoffnungslos in sie verliebt ist.

Gott, der Vater Jesu Christi, weiß doch schon längst, dass Gerechtigkeit ohne Liebe hart macht. Gottes Gerechtigkeit kennt keine Augenbinde, keine Waage und kein Schwert. Dann wäre sie nämlich nur Justitia. Und dann wären wir arm, sehr arm dran.

Backofen

Nur Gottes gerechte Liebe hält die Welt am Leben. Wie sagt Luther so schön: „Gottes Liebe ist wie ein glühender Backofen“. Jesu erfüllt die Gerechtigkeit Gottes und schafft sie neu für unser Leben. Er schenkt sie uns, absolut und bedingungslos.

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Und wenn wir sie annehmen, nimmt Gott uns selbst durch Jesus unsere Augenbinde, die Waage und das Schwert weg. Er tauscht sie aus durch seine Gerechtigkeit, durch seine Liebe und Gnade, so dass wir auf die scheinbar so gerechten Gegenstände getrost verzichten können.

Gottes Gerechtigkeit kommt nicht nach dem Motto „Tue Recht und scheue niemand“, sondern mit durchbohrten Händen und Füßen. Gott ist so ungerecht gegen sich selbst, dass er sich diese Gerechtigkeit leisten kann. Und die beiden Zwillingsschwestern von Gottes Gerechtigkeit heißen Gnade und Liebe.

008 Kreuz_Bildgröße ändern

Gemeinden mit Augenbinde, Waage und Schwert, Christen mit den gleichen ungöttlichen Utensilien haben seit Ostern keine Zukunft mehr. Es gibt nichts Schlimmeres als ein Glaube ohne Liebe. In solchen Fällen bleibt nur der Buchstabe, der bekanntlich tötet, aber der Geist der Liebe, und nur der, macht lebendig.

Unterwegs mit Gott – weil er Gerechtigkeit will.

Zaster

Wir wissen, dass der christliche Urkommunismus Pleite ging und das Jerusalemer Paradies Insolvenz anmelden musste, so dass Paulus in anderen Gemeinden, die er inzwischen gegründet hatte, für die Jerusalemer Urgemeinde sammeln musste. Eine wirklich tragische Entwicklung, aber wir leben nun einmal jenseits von Eden, auch in den Gemeinden. Die Gerechtigkeit Gottes konnte sich offensichtlich auch im Jerusalemer Gemeindeparadies nicht durchsetzen, man wollte wohl lieber nach der eigenen Gerechtigkeit mit Augenbinde, Waage und Schwert leben.

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Gottes Gerechtigkeit will uns am letzten Abend der Allianz-Gebetswoche wieder neu sagen: Weg mit der Augenbinde, weg mit der Waage, weg mit dem Schwert! All das ist für Gottes Gerechtigkeit Ballast. Hin zu Gottes Gnade, hin zu dem Hirtenblick seiner Liebe. Aus dieser Sicht werden wir trotz den Widerwärtigkeiten des Lebens trotz aller persönlichen Pleiten, Pech und Pannen den Schöpfer nicht mehr als den ungerechten, sondern als den gerechten Gott erkennen, Warum? Weil wir nur von seiner Liebe und Gnade leben dürfen.

Und was mir noch bei der Gnade wichtig ist, habe ich in einen Predigtspot von vier Minuten zusammengefasst, den wir uns jetzt vor dem Amen ansehen wollen.

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Responses

  1. […] poetischerem: Hao hat eine Predigt zur Gerechtigkeit, oder bessr zur Ungerechtigkeit Gottes geschrieben. Wirklich wunderbar. Wobei mir der Gedanke kam, daß das, was er die Gerechtigkeit Iustitias nennt, […]

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  2. Also… die Sache mit dem Verlorenen Sohn seh ich etwas anders. Klar, der Jüngere hat den Vater vorzeitig für tot erklärt und sich mit seinem Erbe aufgemacht. (Ich muß aber noch mal nachlesen, ob im Erzähltext steht, daß er sein Geld mit Huren durchgebracht hat, oder ob das nur die Interpretation seines Bruders ist – was allerdings in beiden Fällen höchst interessant ist, denn der hat dann wohl irgendwoher seine Informationen…)
    Aber der ältere Bruder ist auch nicht treu! Der hat nämlich sich immer so verhalten, als wäre er einer dieser Tagelöhner, die nicht wert sind, Sohn im Haus zu sein. Das, was sich der jüngere Bruder als höchstes der Gefühle erbitten will, ist das, was der ältere gelebt hat, statt Erbe zu sein. Der ältere hat sein Erbe eben nicht angenommen, und hat auch nicht mit dem Vater gesprochen über das, was er gern mal getan hätte. Im Grunde haben beide ihre Kindschaft ausgeschlagen – aber der Ältere noch mehr als der Jüngere, denn dieser hat wenigstens noch die Erbschaft mitgenommen, jener aber gar nichts, nur Arbeit.

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    • „und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.“ Vier Augen sehen wirklich mehr als zwei. in der Tat. Zu erst wird „geprasst“. Dann fügt der Sohn die Damen dazu. Nun, es ist ein Gleichnis und so nie geschehen. Aber trotzdem. Der Älteste ist wahrscheinlich so stinkig, dass er die Frauen noch nachschiebt.

      Ich glaube nicht, dass der Ältere das Erbe schon angetreten hat. Er verwaltete es, um es dann mal zu bekommen. Für mich war aber die „Ungerechtigkeit Gottes“ entscheidend. Unter dem Strich war er auch nicht besser und somit muss man die Geschichte wohl als die von den zwei verlorenen Söhnen bezeichnen.

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      • Nur daß wir uns nicht mißverstehen: der Jüngere ist der, der fortgeht, der Ältere bleibt…
        und ja: der Ältere hat das Erbe nicht angetreten, aber er hat sich auch nicht wie Sohn im Haus verhalten.
        Gewiß entspricht diese Geschichte nicht der Gerechtigkeit der Menschen, aber die Gerechtigkeit GOttes ist eben Güte und nicht Abrechnung. Von daher mag ich es nicht, von „Ungerechtigkeit Gottes“ zu sprechen – Gottes Gerechtigkeit ist Gerechtigkeit, aber eben nicht unser Rechten und Richten. Sondern sie wird einem jeden gerecht nach dem Maß, das Gott ihm schenkt. Sind wir doch allzumal Sünder…

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        • Natürlich, aber nach damaligem Recht hatte der Jüngste alles „verspielt“. Gott kommt nun mit seiner „(Un)gerechtigkeit“ der Vergebung.

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          • Nicht nur nach damaligem Recht… aber: „… so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend“ (1.Joh.1,9)
            Sind nicht gerade die Menschen ungerecht? ;)

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            • Natürlich, aber mit den Augen der Welt ist das eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Und ich habe die Geschichte mit den Augen von Nichtchristen gesehen. Ne, die Menschen sind gerecht. Gnade in dieser Form ist ungerecht.

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  3. Da kann ich nur sagen: Amen!

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  4. Die Predigt zm Ungehorsam (Pharao – Hebammen) habe ich gelesen.
    Die Seite ‚CZG‘ ist nicht mehr vorhanden….aber macht nix……gerade hier gibt es ja noch einiges zu entdecken ;-)

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