Verfasst von: Hao | 17. Juli 2010

Erotik und Kultur?


Samstag, 17. Juli 2010

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Psalm 139,23-24

Der Sohn Gottes spricht: Alle Gemeinden sollen erkennen, dass ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeden von euch nach euren Werken. Offenbarung 2,23

Es ist wohl ein ewiges Gesetz, dass man besser sein will als der Andrere. Da wird nicht nur mit Pferd, Haus oder Auto geprahlt. Oft funktioniert durch dieses Gesetz auch die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Politik, also Leben schlechthin. Schlimme Sache, oder?

Eigentlich logisch: Die Werbung produziert Bedürfnisse, die Wirtschaft will schwarze Zahlen schreiben und der kleine Milchbubi prahlt mit seiner großen Sandburg, die er in mühevoller Kleinarbeit gerade am Strand mittels eines karierten Schippe, dass er sich von Oma erbettelt hat, errichtet. Er weiß nicht, dass die erste Welle der nächsten Flut nichts mehr von dem stolzen Bauwerk stehen lässt. Halbwertszeit gleich Null. Schon hart für Bubi, aber so ist nun mal das Leben, auch das Spielen am Stand.

Dass unsere Gemeinden auch oft von solchem Ungeist „Ich hab aber was Besseres als Du!“, unterworfen wird, ist leider eine uralte Tatsache und schlägt sich nicht nur in den jüngsten Tagen auch in meinem Blog nieder. Wenn es doch nur hier geschehen wäre!

Bibelleser wissen, dass leider schon in den ersten Gemeinden die „Boxhandschuhe“ ausgepackt wurden. Diesbezügliche Kämpfe in Korinth, aber auch in Galatien und an anderen Stellen zeigen uns, dass offensichtlich geistliches „Boxen“ eine Sportart war, die unter den ersten Christen geübt wurde.

Was gibt es denn Schöneres, als in einen Ring zu steigen, den Anderen, der gar nicht will, hineinzuschubsen, um ihm dann einen Kampf aufzuzwingen, der nicht nur unnütz ist, sondern der auch noch unter dem Motto steht: „Seht, wie haben sie einander sooooo (gar nicht) lieb!“  Aber was ist solche Überschrift gegen einen rechten oder linken geistlichen Haken, dem man gerade dem Anderen verpasst hat?

Dabei steht doch schon von Beginn an fest, dass es in diesem unsinnigen „Kampf“, mit der Brille Gottes gesehen, ausnahmslos nur Verlierer gibt. Dieses ist so sicher wie der Gong nach jeder abgeschlossenen Runde. Zugegeben, ich schaue mir zwar gern im TV Klitschko und Co an, das hab ich von meinem Vater gelernt, mehr aber auch nicht. Für mehr bin ich viel zu zart besaitet.

Gott erforscht, so lese ich heute, sogar mein Innenleben. Die himmlischen Röntgenstrahlen decken alles auf, was wir, vielleicht auch durch unsere „Frömmigkeit“ geschickt kaschiert haben. Sollten wir das vielleicht vergessen haben?

Heute habe ich doch tatsächlich einmal „schlecht“ geschlafen“, so dass ich bereits um 6.45 Uhr am Frühstückstisch sitze, obwohl heute Samstag ist und ich nur Kür und keine Pflicht zu absolvieren habe. Woher das kommt? Es wird wohl mal wieder an meinem Traum liegen. Und so toben denn mal wieder das BFH und einige Spätaussiedler durch meine nächtliche Vorstellungswelt. Allerdings ist es ein Novum, dass ich heute als Bücherverkäufer arbeite. Ob ich darin erfolgreich bin, bleibt mir leider verborgen, denn es war ja bekanntlich nur für eine Nacht. Und was will man denn auch von einem Quereinsteiger verlangen?

Offensichtlich hat´s heute in der Nacht so heftig bei dem Gewitter eingeschlagen, dass ich weder mit meinem Stick, noch mit meinem Pocket-Web ins Internet komme. Da liegt es wohl nahe, dass ich mich heute mal besonders der Schlafkür widme. Oder ist es nicht doch die Pflicht? Mir egal, ich tauche denn mal wieder ab. Der Tag ist lang.

Markneukirchen steht heute auf meinem Besichtigungsprogramm. Genauer gesagt, das Instrumentenmuseum. Immer wollte ich mir schon einmal diese Einrichtung ansehen. Doch wann kam ich mal in diese Ecke Deutschlands?

Es sind nur rund 10 Kilometer bis zu meinem Ziel. Sebastian Wildgrube nimmt sich meiner an und führt mich durch die zahlreichen Räume des Museums. Was dort mein Auge zu sehen und mein Ohr zu hören bekommt, ist schwer beschreibbar. Die Räume sind voll von Musikinstrumenten, über 1000 an der Zahl. Ich kann mich nicht erinnern, in der Ausstellung ein Instrument nicht gesehen zu haben. Holz- und Blechblasinstrumente sauber getrennt, begeistern mich, auch wenn ich nur etwas Klavier spielen kann.

Ich erfahre, wie es zu der Anhäufung der Geigenbauern in Markneukirchen und Umgebung kam, und was dann durch den Fleiß der Flüchtlinge, die aus religiösen Gründen Böhmen um 1650 verließen, um im Vogtland neue Wurzeln zu schlagen, erschaffen wurde. Ich sehe zum ersten Mal eine Geigenwerkstatt und lasse mir genau erklären, wie dieses Musikinstrument hergestellt wird. Besonders gefällt mir ein Mini-Hobel, der nicht größer als eine Briefmarke ist. Öfters greift der Mitarbeiter des Hauses zu einer der vielen Musikinstrumente und stellt eindrucksvoll nicht nur die Klangbilder, sondern auch seine musikalischen Gaben und Fähigkeiten überzeugend unter Beweis. Ob nun Streich -, Zupf-, Blechblas- oder Tasteninstrumente: Sebastian Wildgrube kennt sich aus, erntet immer wieder Beifall für sein Wissen und seine musikalische Leistung. Orgel, Trompete oder ein Kabelrohr von der Telekom: Was Wildgrube anfasst, bringt er zum Klingen.

Doch nicht nur er, sondern auch ein jugendlicher Besucher setzte sich an einen Flügel, um die  die Anwesenden zu erfreuen.

Dass natürlich auch alte Spielautomaten, Drehorgeln, elektrische und automatische Klaviere zum Inventar des Hauses gehören, brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen. Drei Instrumente haben mich besonders beeindruckt. Da ist eine Geige, die in der russischen Kriegsgefangenschaft nur aus Spänen und Streichhölzern gebaut wurde. Auch kann ich die wohl größte Geige der Welt, die 4,27 Meter Höhe misst, bestaunen. Mit ihr wollen die Markneukirchener Geigenbauer, es gibt über 100 Betriebe in dieser Stadt, ins Guinnes Buch der Rekorde kommen.

Aber auch eine Geige in einem Spazierstock gebaut, hatte ich noch nie in meinem Leben zu Gesicht bekommen. Wer bei den unzähligen großen und kleinen Musikinstrumenten immer noch mehr sehen will, hat Gelegenheit sich in einem separaten Trakt des Museumsgebäudes zahllose afrikanische Musikinstrumente anzuschauen.

Zwei Wermutstropfen fielen allerdings doch in den gelungenen Museumsbesuch. Der Zustand der Toiletten entsprach bei weitem nicht dem Standard des Museums. Die Antwort der Museumsleiterin: „Wenn jeder Besucher zahlen würde, könnten wir die notwendigen Arbeiten anfassen“.

Viel betroffener macht mich allerdings ein erotischer Kalender, der nicht nur an der Kasse und im Museum auslag, sondern auch in einem alten Büro aus der Jahrhundertwende unübersehbar an der Wand prangerte und nicht nur ein absoluter Stilbruch darstellte.

„Erotik ist nichts Schmutziges, ich werde mit Ihnen nicht darüber diskutieren“, erhalte ich als Antwort. Dabei will ich nicht diskutieren, sondern nur auf die mir gestellte Frage antworten, wie ich das Haus finden würde. Dass Erotik nichts Schmutziges ist, muss ich mir nicht sagen lassen, schließlich bin ich schon 62 Jahre alt. Es ist nur die Frage, ob sie in einem weltberühmten Musikinstrumentenmuseum Platz hat.

Was sich diese Einrichtung in Markneukirchen allerdings ernsthaft überlegen sollte, ist die Tatsache, ob mit solch platter Werbung glaubhaft und überzeugend Geld in die Kassen gespült werden kann. Ein denkbar stilloses Aushängeschild für eine solch kulturell hoch angesiedelte Einrichtung. Die Frage bleibt, ob z.B. der Bürgermeister bei hohen Besuchen diese geschmacklose Werbung, die für 15 € an den „Mann gebracht“ werden soll, unter dem Tisch an seine Gäste verteilt, damit nicht alle Anwesenden seine Schamröte sehen? Ob er dieses negative Aushängeschild für das Museum  und die Zunft der Geigenbauer selbst in seiner Amtsstube an der Wand präsent hat? Ich werde ihn mal fragen. Ich kann es mir schlecht vorstellen. Interessant wäre auch noch zu wissen, ob der Kalender auf die Schnelle entfernt wird, wenn Schulklassen das Haus besuchen. Ich glaube kaum, dass Menschen, die sich mit solcher Schmuddelwerbung schmücken, das Museum besuchen.

Geld stinkt bekanntlich nicht. Es entsteht bei mir an dieser Stelle eine deutliche Disharmonie zwischen dem zweifellos hohen Anspruch des Museums und einer billigen Sexpostille, der ich alle Ernsthaftigkeit abstreite, nachhaltig und eindrucksvoll für ein Kleinod des Vogtlandes zu werben, welches man unbedingt besuchen muss, wenn es einen in diesen schönen Landstrich verschlagen sollte.



Responses

  1. Echt gute Überlegungen. Auch die über die Boxkämpfe unter Christen.

    „Auf Grund technischer Probleme kann ich die Bilder erst morgen veröffentlichen“

    Bitte nicht den Erotikkalender!

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    • Doch, aber nur ein Bild. Aber keine Angst. Hab hier jede Menge technischer Probleme. Derzeiit geht es mal wieder. Fragt sich nur wie lange.

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  2. Es geht doch gar nicht darum:“Ich hab aber was Besseres als du“.
    Es dreht sich um den Heiligen Geist um durchzukommen!!!!
    Gby

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    • Ach, den HG haben nur die Christen, die sich zufällig charismatisch nennen? Dann bin ich schon seit meinem 23. Lebensjahr dabei. Ich wußte das immer schon!!!

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  3. Am Computer kannste zu Hause genug spielen.

    Du bist in Kur und die ist zur Erholung da.

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    • Und das ist für mich auch Erholung.

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