Verfasst von: Hao | 8. Juni 2010

Viele Gebete und der richtige Zahnarzt


Dienstag, 8. Juni 2010

Kommt, wir wollen uns dem HERRN zuwenden zu einem ewigen Bunde, der nimmermehr vergessen werden soll! Jeremia 50,5

Solches Vertrauen haben wir durch Christus zu Gott, der uns tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes. 2.Korinther 3,4.6

Matthias Claudius sagt: „Man kann nicht bergauf kommen, ohne bergan zu gehen. Und obwohl Steigen beschwerlich ist, so kommt man doch dem Gipfel immer näher, und mit jedem Schritt wird die Aussicht umher freier und schöner! Und oben ist oben!”

Ja, das ist wahr. Aufsteigen ist schwer, aber eine Lust. Auf den Gipfel der Freude, auf den Gipfel des Erfolges, in die Höhen des Lebens aufzusteigen ist wunderbar. Aber wie ist es mit dem Bergab? Man kann nicht bergab kommen, ohne abzusteigen. Und das Herabsteigen ist noch viel schmerzlicher, denn man kommt den Niederungen immer näher. Und mit jedem Schritt wird die Aussicht umso enger und bedrückender! Und unten ist unten, ganz unten. In den Tiefen der Einsamkeit, den dunklen Tälern von Alter, Krankheit und Schmerzen ist nichts mehr erhebend, nur noch niederschmetternd. Und doch muss jeder Mensch auch den Weg bergab gehen, die eigentliche Hochschule des Lebens und die letzte Reifeprüfung des Menschen. Und wenn die Frucht reif ist, löst sie sich los!

Das ist unser Trost, dass wir beim Loslassen nicht ins Verderben fallen, sondern in die Hände unseres guten Gottes. Aber das Loslassen bleibt das Schwerste im Leben. Aber auch hier schenkt uns Gott das Vertrauen, dass er uns durchtragen wird.

Loslassen ist dann besonders schwer, wenn man mit dem, der von einem geht, lange Jahre zusammen gelebt und im wahrsten Sinn des Wortes miteinander verschmolzen ist. Das gilt besonders für meine heutige Esszimmerrenovierung, die bereits am Morgen dunkle Schatten voraus wirft. Um 6 Uhr bin ich schon wach, weil es mich auf die Keramik treibt. Ich möchte lieber darüber stehen, die Fakten ignorieren. Doch es geht nicht, es wäre auch übermenschlich so zu tun, als wenn nichts wäre.

11 Uhr: Meine Weisheit ist futsch, mein Esszimmer weist eine große Lücke auf, die derzeit noch mit Tupfern gestopft ist, die der Arzt mir in das Loch gedrückt hat.

Die Fakten: Um 10.30 Uhr sitze ich brav im Behandlungsstuhl und bekomme erst einmal mit einem Spray mein Zahnfleisch betäubt. Dann die Spritzen, die nach fünf Minuten ihre volle Wirkung entfalten.

Ich hab es mir schlimmer vorgestellt. Nach 30 Sekunden gibt es einen Knack und das Esszimmer ist an der hintersten Ecke leer geräumt. Ich hätte den Weißkittel knutschen können.

14 Uhr: Die Spritzen lassen nach, ich spüre keine Schmerzen. Lediglich im Unterkiefer habe ich leichten Muskelkater. Kaum komme ich vom Zahnarzt, stehen wieder die beiden Filmtanten vor mir. Ich muss ihnen den Zahn präsentieren, doch ich habe ihn verloren. Eine geschlagene Stunde suche ich nach dem Teil. Dann finde ich ihn in der linken Gesäßtasche. Wohlgemerkt, in der linken!!!!!

Fazit des Geschehens: Der Zahnarzt ist wirklich gut, aber auch Gott, zu dem viele Gemeindeglieder für die Aktion beim Zahnarzt gebetet haben. Denn auch dazu, liebe Christine, ist für mich eine Gemeinde unverzichtbar. Ich kann ihr von Problemen wie das Ziehen eines Weisheitszahnes berichten, damit für mich gebetet wird. Hat man keine Gemeinde, fehlt einem diese wichtige Gebetsunterstützung und man geht leer aus. Das ist nur ein kleiner Grund für eine Gemeinde.

19 Uhr: Der Schmerz bleibt aus, ich bin wieder fit und das ohne Bettruhe. Und was habe ich gestern noch gejammert. Vielleicht habe ich zu sehr auf die alte Zahnärztin gehört, die meinte, ich müsste zu einem Kiefernchirurgen gehen, damit der mir den Zahn rausrupft. Was bin ich froh, dass ich den Zahnarzt gewechselt habe. Das hat mir nicht nur viele Schmerzen, sondern auch etliches Geld gespart.Stille ist angesagt und zwar in der Gemeinde, um über ein Psalmwort nachzudenken.

Wir sind nur sechs Personen, aber sehr dicht zusammen. Was ist mit meinem Grinseprinz los? Ihm stehen ja Tränen in den Augen. Vor der Gebetsgemeinschaft erfahren wir den Grund, den wir alle schon gehört haben. Günter, ein Urgestein der Gemeinde, ist gestern plötzlich dorthin gekommen, wo ich meine Hochdosis-Chemo erhalten habe.

Nun liegt er auf der Intensivstation. Diagnose: schwerer Blutkrebs. Wir sind alle sehr betroffen, schauen uns wortlos an und bringen alles im Gebet vor den Herrn.

Abschließend wird ein „Abendmahl“ mit Erdbeeren gefeiert. Gaby schenkt jedem aus der Dekoration eine große Erdbeere und kleidet diese Freundlichkeit in den Satz „Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist“….  Danke Jesus!!!



Responses

  1. Es gibt Dinge in meinem Leben, die ich noch nicht kennengelernt habe, von daher kann ich sie auch nicht vermissen.

    Wenn ich beim Zahnarzt war oder bin, wo ich weiß das eine schmerzliche Behandlung bevor steht, dann hockte, oder hocke ich brav auf dem Stuhl und bete die ganze Zeit in mir drin.

    Du wirst es nicht glauben, aber Gott war und ist auch bei mir.

    Er hat immer dafür Sorge getragen das alles gut geht und ich keine Schmerzen während und nach der Behandlung hatte.

    So wie auch bei all den Operationen, die ich schon hab durchstehen müssen. Waren bisher ja nur so an die 20 Stück.

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    • Ich denke, dass Du hier etwas nicht ganz nachvollziehen kannst. Das, was Du geschrieben hast, ist alles richtig. Dennoch gibt es für eine Gemeinde keine Alternative. Schon im Neuen Testamant ist das angelegt. Du gehst je regelmäßig in den Gottesdienst. Und das ist gut, sehr gut sogar. Das hatte ich auch. Aber wie es bei mir aussah, kannste hier hören. Für mich war das zu wenig. Klar, das kennst Du nicht. Lerne es kennen, dann wirst Du mich auch besser verstehen.

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  2. Das hab ich mir heut morgen schon in der Frühe angehört, da hast Du noch geschlafen.
    Auch da komme ich nicht davon los, dass es sich um zwei verschiedene Dinge handelt, wie ich ja schon geschrieben habe.

    Du weißt doch ganz genau, dass ich es bereits mit der Bibelstunde verucht habe. Ich habe mich in der Doppelrolle, „Gottesdienst hier“, und „Bibelstunde da“, irgendwann nicht mehr wohlgefühlt. Ich konnte das Doppelleben nicht verarbeiten, auch wenn der Pfarrer in der Kirche mir bei einem Gespräch gesagt hat, dass ich an mehrere Stellen gehen kann, um herauszufinden, wo es mir gefällt.

    Diese Stunden fanden auch nur alle drei Wochen statt, da kann man doch net vorankommen.

    Ab dem 11.07. bietet der Pfarrer Temme nach dem Gottesdienst 6 Sonntage ein Predigtnachgespräch an, da bin ich schon wieder so unsicher, ob ich hingehen soll oder nicht. Auf der anderen Seite meine ich es tun zumüssen. Warum, weiß ich auch nicht. Das ist so ein Gefühl in mir.

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    • Ich weiß, das ist eine schwierige Situation, wobei auch zu berücksichtigen ist, dass Du ein Mensch bist, der nicht unbedingt auf Andere zugeht, um sie zu fordern. Von einer Doppelrolle sehe ich nichts. Dagegen spricht nichts, wenn die Kirche nur einen einzigen Termin in der Woche anbietet.

      Viellicht solltest Du mal Kontakt zur Landeskirchlichen Gemeinschaft aufnehmen. Da gibt es sogar eine Blogleserin, die dahin geht. Hab leider nur den Namen vergessen. Ich kann ja noch mal nachsehen und eine Verbindung herstellen. Aber nur, wenn Du willst.

      Es sollte aber von Dir schon ein gewisses Verlangen vorhanden sein, also kein „Druck“ von außen, sondern eine „Sehnsucht von innen“. Alles andere wird zum Krampf.

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  3. Ich gehe doch in die ev. Landeskirche, oder was ist das? Die Bibelstunde war in freien ev. Gemeinde.

    Da verwechselst Du wohl was.

    Wie könnte bei mir Druck von außen kommen, wo ich doch ganz allein bin weil der Rest meiner Fam. doch nichts damit zu tun haben will.
    Das hast Du doch letztens Hautnah erlebt.
    In der letzten Woche musste ich mir gar sagen lassen, ich sei so vernarrt dadrin, dass ich alles andere schon nicht mehr wahrnehme.

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  4. Liebe Christine,

    nur zur Erklärung.
    Die landeskirchliche Gemeinschaft (bei uns heißt sie „Evangelische Gemeinschaft“) gehört auch zur evangelischen Landeskirche.
    In die evangelische Landeskirche gehst Du zum Gottesdienst.
    Wir sind als landeskirchliche Gemeinschaft keine Freikirche. Wir sind innerhalb der ev. Landeskirche eine Gruppe von Christen, die unter anderem dem Begriff „Gemeinschaft“ (deshalb führen wir ihn auch in unserem Namen) eine besondere Bedeutung geben.
    (1.Korinther, 12 )
    Ich denke aber, jeder soll dahin gehen, wo er sich wohl fühlt, wo man Gott die Ehre gibt und anerkannt wird, dass sein Sohn für unsere Sünden gestorben ist.
    Liebe Grüße Jutta

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