Verfasst von: Hao | 6. Februar 2010

Das Hemd des Glücklichen


Samstag, 6. Februar 2010

Meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet. Jesaja 61,10

Paulus schreibt: Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Galater 3,27

„Ein Zar lag schwerkrank danieder und versprach: ‚Die Hälfte meines Reiches will ich dem geben, der mich wieder gesund macht!’ Da versammelten sich alle Weisen des Landes und beratschlagten, wie sie den Zaren heilen könnten. Aber niemand wusste Rat. Nur ein Weiser erklärte: ‚Wenn man einen glücklichen Menschen findet, ihm sein Hemd auszieht und es dem Zaren anlegt, dann wird der Zar genesen.’ Daraufhin schickte der Zar Boten aus, die in seinem weiten Reich einen glücklichen Menschen suchen sollten. Aber es gab keinen einzigen Menschen, der mit allem wahrhaft zufrieden und deshalb glücklich gewesen wäre. Der eine war zwar gesund, aber in seiner Armut unglücklich. Und wenn einer gesund und reich war, dann war die Ehe unglücklich oder seine Kinder waren nicht geraten. Kurz – alle hatten einen Grund, sich über etwas zu beklagen.

Da ging einmal spät am Abend der Zarensohn an einer armseligen Hütte vorüber, und er hörte, wie drinnen jemand sagte: ‚Nun ist, Gott sei Dank, meine Arbeit geschafft, ich habe gut verdient, ich bin satt und kann mich nun ruhig schlafen legen. Was wünschte ich noch? Ich wüsste es nicht!’ Den Zarensohn erfasste eine große Freude. Nach seiner Rückkehr in den Palast befahl er, diesem Mann sein Hemd auszuziehen und ihm dafür so viel Geld zu geben, wie er nur wünschte, und dem Zaren das Hemd zu überbringen. Die Boten eilten zu dem glücklichen Menschen, um ihm gegen schweres Gold sein Hemd einzutauschen. Aber der Glückliche war so arm, dass er gar kein Hemd hatte …”

Wenn es das gäbe: das Hemd des Glücklichen, und alle unsere Krankheit würde geheilt! So sehr Menschen Heilung ersehnen, man kann sie nicht so einfach beschaffen und sich anziehen. Die Glückssehnsucht ist groß, aber wir können uns diese Sehnsucht nicht selbst stillen. Und auch die anderen sind darin so hilflos und überfordert. Und doch gibt es so etwas wie das Hemd des Glücklichen. Die Bibel vergleicht die Heilung mit einem Kleid und die Versöhnung mit einem Mantel. Beides hat uns Gott in seiner Liebe erworben und mit dem Leiden seines Sohnes teuer erkauft. Diese Kleidung bietet uns Gott an. Sollten wir uns da nicht einmal ganz neu einkleiden lassen?

Wieder mal eine von den Mails, die ich am liebsten abschießen möchte. Bei einer Schwester sind Krebszellen gefunden worden. Montag geht’s zum Arzt. Hört es denn gar nicht mehr auf mit solchen Hiobsbotschaften? Ich könnte echt heulen. Ich muss aufpassen, dass ich nicht in Depressionen falle. Es würde mich nicht so heftig tangieren, wenn ich nicht selber den ganzen Mist durchgemacht hätte und wie ein Blinder von der Farbe sprechen würde. Doch ich kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen.

Dann die nächste Nachricht: Eine Bekannte hat ihr Baby verloren. Alles war schon zur Geburt bereit, nur noch wenige Tage. Welch eine Trauer, welch ein Leid.

Meine Freude ist deshalb heute verhaltener, meine Seele ist leiser in ihrer Freude.Meine Predigt bekommt den letzten Schliff, meinem Reißwolf sehe ich mal in die Eingeweide, weil er sich nicht mehr automatisch ausstellt, wenn er seine Arbeit getan hat.Inzwischen habe ich eine Art und Weise gefunden mit der Post, die mich so erreicht, in der sogar heftigste Verbalinjurien benutzt werden, äußerst sachlich umzugehen. Wie man in den Wald ruft, schallt es nun nicht mehr hinaus. Ich lese sie, beantworte sie und schicke diese aber nicht ab. Ich mache das schon längere Zeit und kann nur sagen, dass es eine gute Methode ist, mit erlogenem Zeugs umzugehen. Noch vor einigen Jahren hob ich jeden Fehdehandschuh auf, der mir zumeist hinterher geworfen wurde. Nun bin ich gelassen geworden und nehme lebe nach dem Prinzip der drei Siebe:

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ „Halte ein!“ unterbracht ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, fragte der andere voller Verwunderung. „Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen und…“ „So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“ „Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“ „Notwendig nun gerade nicht…“ „Also, sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Und für Spätzünder und andere Schnellschießer hier das ganze noch mal für die Ohren, nach dem Motto: Doppelt genäht, hält besser:Zugegeben, ich kannte die Geschichte schon lange, aber so richtig habe ich sie auch noch nicht angewandt. Doch seit Anfang des Jahres nutze ich sie, sicherlich zum Leidwesen der Menschen, die noch nach der Rundumschlagmethode leben und fahre ausgezeichnet damit. Kann ich nur empfehlen. So kann man, auch manchen (frommen) Schrott, einfach im Keim schon abwehren. Es soll ja Menschen geben, die meinen, sie könnten es mit anderen Methoden, aber ich bleibe lieber auf dem Teppich. In der Predigt vom vergangenen Sonntag wurde mir dieses noch einmal klar, das Christen auch mit dem Kopf glauben sollten. Schöne Formulierung. Deshalb habe ich bis jetzt in meiner Gemeinde an der Garderobe  noch keine Vorrichtungen zum Ablegen des Kopfes entdecken können. Wenn dort „getatcht“ würde, wäre ich weg, weil ich mein „himmlisches Säuseln“ brauche… Als Abschluss des Abend noch ein kleiner Scannausflug in das Jahr 1986 an die Ostsee. Wunderschöne Tage in Greifswald, an die ich gern zurückdenke. Ich sollte mal wieder….. Eine Einladung habe ich schon, aber die ist mir zu dubios. Drei Wochen kostenlos in einem Ferienhaus… Etwas zu windig für mich.



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Responses

  1. Schönes Lied von Hella.Ja, veile ihrer Lieder haben wir so gern gesungen dort in Oberursel.Viele weinten dabei…ich auch.

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  2. Deine Art, mit gemeiner Post umzugehen, gefällt mir. Ich werde mir ein Beispiel an Dir nehmen.
    Danke!

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    • Ja, da habe ich auch fast 60 Jahre dran „gebastelt“. Ich muss nicht immer das letzte Wort haben. Hat Gott mir ein neues Leben gegeben, damit ich mich in den Niederungen des Lebens rumquälen muss? Sehe ich doch gar nicht mehr ein. Gegen niveauvolle Unterhaltung ist niochts einzuwenden, auch denn es unterschiedliche Meinungen gibt, aber wenn ich mir dann vorkomme, ich würde in einer Abferkelbucht liegen, gebe ich Bauer Ewald vom Pickingshof die Kündigung.

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  3. Die Geschichte oben (kranker Zar – Zahrensohn)…..hat mich – vorallendingen was die Pointe (der Glückliche ohne Hemd) anbelangt – echt erheitert. Danke!

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