Verfasst von: Hao | 10. Januar 2010

Wort zur Beerdigung von Heidi Schmidt


Ich kannte Heidi bereits seit ihrem 4. Lebensjahr.

Sie, die zwar mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, hatte andrerseits ein Riesen-Herz für andere. Schon als Kind.

Sie konnte noch nicht schreiben, da wollte sie schon Missionarin werden – in Brasilien. Sie kam aber eigentlich aus Brechtorf nie wirklich heraus. Doch irgendwie ist sie ihrer Berufung auch hier treu geblieben.

Gott hat ihr ein kindliches Vertrauen, einen mutigen Glauben und ein weites Herz für Not leidende Menschen geschenkt. So kannten wir sie.

Als Anfang der Achtziger Jahre Hermann, ein junger Mitarbeiter, bei mir seine Vikariatszeit machte, unterstützte er auch hier in Brechtorf die Jugend- und Konfirmandenarbeit von Pastor Egler. Als Heidi mitbekam, dass er in dieser Zeit nur ganz wenig Geld verdiente, schenkte sie ihm ihr Taschengeld.

So war sie. Bis heute hat sie ungezählte Patenschaften von Kindern in der Dritten Welt. Und wenn sie von irgendjemand hörte, der gerade in Schwierigkeiten oder krank war, packte sie für ihn ein kleines Aufbau-Paket – wie sie es nannte -, steckte nette Dinge hinein und immer ein gutes Wort mit einem Hinweis auf Gott und seine Barmherzigkeit.

Der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Tiddische war Heidi in besonderer Weise verbunden. Hier hatte sie ihr geistliches Zuhause. Die Landeskirchlichen Gemeinschaften – zu ihr gehört auch die Stadtmission in Wolfsburg – sind ja ein Teil unserer evangelischen Kirche, die in besonderer Weise durch verbindliche Gemeinschaft untereinander und ehrenamtliches Engagement geprägt sind.
Als Verantwortlicher für die Gemeinschaften in dieser Region wusste ich Heidi’s beherzte Mitarbeit sehr zu schätzen. Sie hielt sogar 3-4 Predigten jährlich.

Was sie sagte, war authentisch und vom eigenen Erleben mit Gott bestimmt. Gerade junge Menschen konnte sie stark ansprechen.
Das war ja eine besondere Gabe von ihr, Teenager zu begeistern. Ihre 39 Bücher, die sie schrieb, waren spannend zu lesen, hatten aber immer einen Bezug zum Glauben an Jesus Christus und waren eine Einladung, Gott zu vertrauen.

Selbst einen ihrer Lehrer begleitete sie als Seelsorger bis zu seinem Sterben. International stand sie über das Internet mit vielen Menschen in Kontakt, sogar mit einem unschuldig verurteilten Strafgefangenen in Texas. Die Bleistiftzeichnungen dieses Mannes, der ein Zeichen des Dankes geben wollte, hängen im Wohnzimmer des Elternhauses.

Ich selbst hatte mit Heidi noch einen intensiven Email-Wechsel im letzten Frühjahr. Sie war intellektuell redlich und tat sich auch mal mit der einen oder anderen Bibelstelle etwas schwer. Auch zweifelnde Fragen waren ihr nicht fremd. Aber das berührte in keiner Weise die Tatsache, dass Gott für sie die eigentlich tragende Kraft in ihrem Leben – und in ihrem Sterben war und blieb.

Schon mit 17 Jahren – noch vor der großen Herz-Lungen-Transplantation schrieb sie für sich ein Lied mit dem Titel: „Mit dem Tod leben“.

„Lehre mich bedenken, dass ich jederzeit sterben kann,
dass ich nicht ewig leb auf dieser Erde.
Lehre mich bedenken, dass nach dem Tod ich dann
Einst vor dir stehen werde.“
Und am Ende stand dann noch das Gebet:
„Herr, lass mich jeden Tag so leben,
als würde es kein Morgen geben,
und ihn nutzen dir zur Ehr,
mein Gott und Herr!“

Ich staune, was Gottes Barmherzigkeit aus einem Menschen zum Segen für andere machen kann.

Der Glaube und die Hoffnung, die Heidi’s Leben und Sterben prägte, wird im Neuen Testament durch den Apostel Petrus, im 1. Petrus-Brief 1,3-9 so beschrieben:

Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der uns nach seiner Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. In derselben werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wo es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde denn das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn nun offenbart wird Jesus Christus, welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt und nun an ihn glaubet, wie wohl ihr ihn nicht sehet, und werdet euch freuen mit herrlicher und unaussprechlicher Freude und das Ende eures Glaubens davon bringen, nämlich der Seelen Seligkeit. (Rainer Keupp)

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Responses

  1. Lieber Bruder,
    Heidis Beerdigung konnte ich leider nicht dabei sein, aber Du hast mich mit Deinem Blog-Beitrag und der Predigt vom Sonntag in Tiddische mitleben lassen und reich beschenkt.
    Jesus segne Deine Blog und Deinen Dienst.
    Danke! Heinrich.

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    • Ja, Heinrich, als ich Dich bei Erichs Beerdigung so unter der Decke in dem Rollstuhl eingemummelt sahe, habe ich mir schon gedacht, dass Du am Samstag nicht kommen kannst. Deshalb habe ich mir auch gedacht: Mach dem Heinrich mal ein kleines Geschenk und lasse andere auch davon profitieren. Ich wußte doch, wie lieb Du sie gehabt hattest und dass Du traurig warst, dass Du nicht dabei sein konntest.

      Es freut mich, dass Du nun wieder ans Netz angeschlossen bist.

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