Verfasst von: Hao | 10. Januar 2010

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes


Predigt in Tiddische am 10.1.2010

Zeig uns Dein königliches Walten, bring Angst und Zweifel selbst zur Ruh. Du wirst allein ganz recht behalten. Herr mach uns still – und rede Du. Amen

Liebe Gemeinde,

meine Predigt über die Bekehrung des Saulus war schon fertig. Doch es kam anders. Die Gründe kennen wir: Der Heimgang von Heidi und Erich.

Ich glaube, dass dieses Geschehen uns alle tief erschüttert hat. Zweimaliges Abschiednehmen kann man nicht so einfach wegstecken.

Als ich mir am Mittwoch in der vollen Kapelle noch einen Stehplatz ergattern konnte, sagte ich mir: Kann ich am Sonntag den mir vorgegebenen Predigttext nehmen? Und als ich dann vorausschauend an den gestrigen Tag dachte, hörte ich innerlich eine Stimme, die sagte: „Nein, die Bekehrung des Paulus kann warten“.

Heidi und Erich waren so unterschiedlich wie nur was. Da war der bodenständige Landwirt. Irgendwann habe ich mir mal, als wir nebeneinander im Gottesdienst saßen, seine Hände angesehen. Sie sprachen Bände über die Arbeit, die sie schon geleistet haben. Und da war Heidi, die nie körperlich gearbeitet hatte, weil sie es auch nicht konnte. Sie ließ durch ihre guten Gedanken den Computer arbeiten und hat uns einen wirklichen Schatz an Gedanken in vielen Büchern niedergeschrieben, zurückgelassen.

Unterschiedlicher geht es kaum. Aber in dem Glauben an Jesus Christus waren sie eins, waren Bruder und Schwester, waren sie unser aller Bruder und Schwester. Dichter geht es wohl kaum bei Menschen, die nicht durch das Fleisch, sondern durch den Heiligen Geist verwandt waren.

Nach einigen Überlegungen und Gesprächen bei der Nachfeier kam ich auf die Idee als Predigtext die Worte zu nehmen, die Du liebe Hildegard, bereits vor 47Jahren als Trauspruch zugesprochen gekommen hattest.

Heute nun, hörst Du ihn noch einmal. Damals als Start in die Ehe, heute am Endpunkt Deiner Ehe. Erich ist in der Ewigkeit angekommen, Du am Ende Deiner Ehe. Ihr habt das Versprechen von damals erfüllt: „Bis das der Tod euch scheide“.

Eine alte Weisheit sagt: Den eigenen Tod stirbt man, aber den Tod des Anderen lebt man, bis man selber stirbt.

Und vor dieser schier unmöglichen Aufgabe stehen nun die Hinterbliebenen von Erich und Heidi. Ihr müsst diesen Tod leben, die Gemeinde auch. Aber das geht doch gar nicht, darunter muss man doch zerbrechen, besonders dann, wenn man eine gute Ehe geführt hat.

Eine hoffnungslose Aufgabe des Predigers, der hilflos mit leeren Händen vor euch steht. Keiner kann Erich und Heidi wieder lebendig machen. Der Tod macht bekanntlich stille Leute.

Ich möchte mit euch 2000 Jahre zurück schauen und an dem festhalten, was Paulus den Römern gesagt hat und besonders Dir, liebe Hildegard, und uns allen, Deinen Trauspruch wieder ganz neu zusprechen.


„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Römer 8, 38 und 39

Die Situation, in der Paulus den Brief schrieb, ist anders als unsere heutige. Die Christen wurden verfolgt, ja sogar eingesperrt und auch getötet. Oft fehlte ihnen das Nötigste zum Leben. Wir hier haben heute fast alle im Überfluss. Eine Situation wie zur Zeit des Paulus muss in Deutschland keiner mehr erleiden, auch wenn es nicht allen Menschen gut geht. Dennoch kennen wir viele Dinge, die Paulus aufzählt, auch gut aus unserem eigenen Leben: Angst, Gefahr, Trübsal – auch den Tod. Anderes ist den Jüngeren nur aus den Nachrichten bekannt: Verfolgung, Hunger, Krieg. Eines ist aber genau wie damals auch: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.

Bibelworte können einen oft kaum erreichen, wenn es jemanden gut geht, wenn wir auf dem Zenit des Lebens angekommen sind. Klar, dann brauchen wir keinen Trost, denken wir vielleicht im Stillen: „Dass mit Deinem Erfolg haste mal wieder gut hinbekommen“. Wir stehen dann da, lassen die Korken knallen, und uns feiern und hochleben.

Doch wenn wir tiefe Täler der Trauer und besonders des Verlustes durchschreiten müssen, wenn wir nicht wissen, wie wir durch den Tag kommen, wenn uns schon lange nicht mehr danach zumute ist, uns hoch leben zu lassen, weil uns das „Hoch“ genommen wurde, dann hören wir Gottes Wort, auch wenn wir schon Jahre damit vertraut sind, plötzlich total anders. Ich glaube, heute ist ein solcher Tag für uns alle, besonders für die Hinterbliebenen.

Dann erleben wir Jesus als einen, nein, als den sicheren Ankerplatz unserer aufgescheuchten Seele, als eine Oase, die einem Kraft und Mut gibt, den Tod des Anderen zu leben. Ich erlebe Paulus heute als den größten friedlichen Revolutionär nach Jesus. Er protestiert gegenüber die stärkste Macht, die es auf der vergänglichen Welt gibt: den Tod. Welch eine verrückte Sache. Wie sagt man hier in diesen Breitengraden: Wenne dot bis, wirse innekult und dann is alles vorbie“. Das ist das Bekenntnis des Glaubens eines Durchschnittsbürgers nicht nur hier in Tiddische. Klar, man kann das Leben verlängern, manche lassen sich auch einfrieren, weil sie hoffen, dass es einmal weiter geht. Doch über allem steht die Erkenntnis: „Wenne dot bis…..,

Doch Paulus gibt sich damit nicht zufrieden. Was er vor Damaskus erlebt hat, hat sein Leben radikal verändert. Der Apostel hat aufgehört zu glauben. Ja, ihr habt richtig gehört: Seinen alten jüdischen Glauben hat er an den Nagel gehangen, sogar einmal gesagt, das er nicht mehr als das ist, was jeder Mensch täglich zur Toilette bringt. Ihr wisst, wovon ich rede.

Statt des alttestamentlichen Glaubens ist nun das Wissen getreten, das Wissen eines Hiobs, der sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“. Nicht mehr nur ein Hoffen, das bekanntlich neben dem Harren so manchen Menschen zum Narren macht.

Denn ich bin gewiss… Das ist mal was in dieser Welt, die meint alles zu wissen, die aber doch nur im Nebel rumstochert. Endlich mal Klartext, endlich mal eine Kampfansage an die „Man kann ja nie genau wissen“ Sager.

Denn ich bin gewiss. 1500 Jahre später hat das wieder einer gesagt und zwar vor dem Reichstag in Worms: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen“.

Mehr habe ich euch heute an diesem ersten Tag der neuen Woche auch nicht zu sagen: „Ich bin gewi
ss“. Ist das arrogant und hochnäsig? Für Menschen, die nichts mit Jesus zu tun haben, oder nur sagen: Ja, Jesus auch…. eine freche Behauptung. Was sagte Sokrates so treffend: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Keiner hier im Raum kann diesem Denker das Wasser reichen. Und doch sagt Paulus: „Ich weiß etwas ganz wichtiges und lasse mich nicht davon abbringen. Denn ich bin gewiss…..

Christen sind Menschen, die gegen den Tod, auch den eigenen, protestieren. Verrückte Typen. Ja, sie sind wirklich ver-rückt. Sie sind aber nicht reif für Königslutter, sondern so ver-rückt, wie einer sein Möbelstück verrückt, von der Wand abrückt, um einen Schlüssel aufzuheben, der hinter den Schrank gefallen war.

Denn ich bin gewiss. Das ist ein Abrücken aus der Weisheit der Welt, für die mit dem innekuhlt werden alles vorbei ist“.

Paulus entlässt uns mit dieser Sicherheit, dass uns von Gott nichts trennen kann nicht in die Spekulation, sondern legt nach, aber wie.

Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur

Kein Einfallstor für nichts auf der Welt. Wir sind rundum geschützt. Es gibt kein Kleingedrucktes, keine Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Hier kann auch der Blinde ohne Angst unterschreiben.

Da steht zuerst einmal der Tod. Er hat verloren, der Sensemann muss stempeln gehen. Mir zittern immer wieder neu die Knie, wenn ich einen Menschen beerdigen muss, am offenen Grab stehe und dann laut sagen darf: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod wo ist Dein Stachel, Hölle, wo ist Dein Sieg?“ Das kann doch nur ein Verrückter sagen, ver-rückt, hingerückt zu Gott.

Der Tod ist ja bekanntlich der Sünde Sold. Mit anderen Worten: Wenn ich nicht Jesus nachfolge, laufe ich unbewusst dem Teufel nach. Ne, knauserig ist er bestimmt nicht. Er ist sehr freigiebig. Man kann große Kariere machen, aber sein Lohn ist und bleibt nun einmal der Tod, mit dem eben nicht alles aus ist. Das haben wir Adam und Eva zu verdanken.

Jesus zahlt auch am Ende des Lebens aus. Karrieren bei ihm sind eher selten. Und so vieles läuft in seiner Nachfolge anders. Er redet uns immer dazwischen, will uns vor Gefahren warnen, anders als bei seinem Gegenspieler, der uns immer wieder einredet. „Alles ist erlaubt, alles frommt auch“. Doch Gottes Gnadengabe ist nicht der Tod, sondern das ewige Leben. Auch hier braucht man nicht dafür zu arbeiten, man bekommt es geschenkt. Glaubt ihr denn etwa das Erich und Heidi auch nur ein Deut an ihrem Heil etwas dazugetan hätten? Nein, sie haben Gottes Liebe einfach nur angenommen und weiter getragen: Der eine auf dem Trecker, der andere in Büchern. Beide stehen, wie wir alle einmal mit absolut leeren Händen vor Gott und können nur sagen: „Nichts hab ich zu bringen, alles Herr bist Du.“

Der Tod kann uns nicht scheiden, aber auch nicht das Leben.

Was hat das Leben hier zu tun? Viel, sehr viel. Erinnern wir uns nur an das vierfache Ackerfeld. Und etlicher Samen fiel auf Steine, auf den Weg und unter die Dornen. Wir wissen, wie trügerisch und verführerisch oft das Leben sein kann. Wie sagt so treffend Matthias Claudius in seinem Gedicht, welches er „Täglich zu singen“ genannt hat:

Auch bet ich Gott von Herzen an,
das ich auf dieser Erde
nicht bin ein großer reicher Mann
und auch wohl keiner werde.
Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht,
Hat mancherlei Gefahren,
und vielen hat’s das Herz verdreht,
die weiland wacker waren.


„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben….

Wenn uns der Tod schon nicht von Jesus wegtreiben will, besonders durch Verfolgung dann auch das Leben. Vergessen wir nicht, die Lebensqualität des Paulus war auch nicht gerade berauschend.

„Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte.. Nicht der Tod, nicht das Leben, auch nicht Engel noch Mächte werden es schaffen? Das ist wohl einmalig.

Vor Weihnachen fing es plötzlich bei mir am Bauch an fürchterlich zu jucken, so dass ich am 1. Weihnachtsfeiertag ins Krankenhaus musste. Diagnose: Gürtelrose. Und dann kamen sie die Dummschätzer mit ihren teuflischen Aussagen: „Du musst Dich besprechen lassen. Das hilft, ich kenne da jemanden, der macht es auch umsonst“. Von wegen, da kennen sie aber den Hebbinghaus schlecht.

Weder Engel noch Mächte können dich von Gott trennen. Ich gebe zu, sie können sehr verführerisch auftreten. Und es gibt Menschen, die am Ende der Schulmedizin angelangt, sagen: „Alles ist gut, wenn ich nur gesund werde“.

Und das Ende vom Lied lautet dann wie in Goethes Zauberlehrling: Die Mächte, die ich rief, die werd ich niemals los“. Also Hände weg von jeder Art der Esoterik, die sich mit ihrer pseudoreligiösen Glaubenssuppe wirklich gut tarnt, ob mit Engelskarten, Astro TV, Besprechen, Horoskopen, Pendeln, oder was die selbsternannten Gurus alles noch so auf Lager haben. Alles nur Teufelszeug. Wir haben Jesus. Wir brauchen das esoterische Zeugs nicht. Der Glaube an Jesus verbietet diese Praktiken und wenn sie auch noch so schön in der so genannten Christusenergie eingewickelt werden.

Denn ich bin gewiss:
Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges…

Würden wir dem Zeitgeist glauben, sind wir schon am nächsten Tag altmodisch, aber Gottes Wort ist ewig. Außerdem reden wir noch von Sünde und Bekehrung. Für wen die Sünde ein Fremdwort ist und sich diese nur noch im Straßenverkehr, in der Flensburger Sündenkartei oder im hemmungslosen Verzehr von viermotorigen Torten zeigt, fühlt sich hier bestimmt nicht angesprochen. Der Zeitgeist ist morgen schon wieder unmodern, Und was das Zukünftige betrifft: Wir ahnen alle noch nicht, was diese bringen wird, auch wenn uns die Wahrsager etwas anderes weiß machen wollen.

Jesus sagt durch Paulus: Da brauchst Du keine Angst zu haben. Bündele Deine Kräfte, setze sie anderswo ein. Ich bin dein Fachmann für Deine Angst, deine Sorgen und vor allen Dingen für Deine Zukunft. Hildegard ohne ihren Erich, Matthias ohne seine Heidi, eine Gemeinde ohne diese beiden Personen. Jesus nimmt uns an die Hand, so wie er Dich, Hildegard, bei Deiner Hochzeit an die Hand genommen hat. Und? Hat er Dich, hat er uns einmal im Stich gelassen? Können wir im Rückblick nicht immer wieder täglich singen:

Wo ist solch ein Herr zu finden,
der, was Jesus tat, mir tut,
mich erkauft von Tod und Sünden
mit dem eignen teuren Blut?
Sollt ich dem nicht angehören,
der sein Leben für mich gab?
Sollt ich ihm nicht Treue schwören,
Treue bis in Tod und Grab?


Nun fährt Paulus die Mächte aus der Höhe auf, die ebenfalls keine Chance haben, uns von Gottes Liebe zu trennen. Der Mensch im Altertum glaubte an eine Götterwelt, die oben und unten lebt. Wir wissen, dass es der himmlische Vater ist, der in uns unsterblich verliebt ist. Bei Jesus ist der Platz, wo diese Mächte nichts mehr zu sagen haben, wo sie entmachtet sind. Ich weiß, dass es widergöttliche Kräfte gibt. Wer aber von Dämonen mehr als von Jesus redet, hat von ihm nicht viel von Gottes Kraft und Allmacht verstanden.

Was können heute noch die Mächte aus der Höhe und der Tiefe sein? Ich habe mich gefragt, ob nicht ein Seebeben oder sintflutartige Regenfälle, die Menschen zu tausenden sterben lassen, nicht auch dazu gehören. Kommt da nicht schnell die berechtigte Frage: Wie kann die Liebe Gottes das zulassen?

Oder denken wir an den Kommunismus oder das Dritte Reich.
Ich habe im letzten Jahr zwei KZs besucht. Da kann man sie sehen, die Auswirkungen der Mächte aus der Höhe und der Tiefe.

Wenn dann bei uns Christen nicht das Wort „Dennoch“ gesagt wird, „dennoch bleibe ich stets bei Dir“, kann schon einmal der Glaube entgleiten.

Als wenn der Apostel noch etwas vergessen hat, bindet er sicherheitshalber den Sack noch einmal zusammen. „Und wenn es da etwas ganz Verrücktes geben sollte, etwas, was ich jetzt noch nicht weiß: Auch keine andere Kreatur wird euch von Gott wegtreiben können. In Jesus seid ihr absolut sicher. Was ist das für ein Trost an diesem Sonntag nach einer solchen Woche.

Alles das kann uns nicht scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Hildegard, Du hast das Wort bei Deiner Hochzeit wohl anders gehört. Da waren auch Tränen in Deinen Augen, nämlich Freudentränen. Das ist logisch, lag doch Dein ganzes Leben und Deine Ehe noch komplett vor Dir. Nun ist sie vorbei, oder sollte ich besser sagen: Erst einmal unterbrochen? Und wieder sind es die Tränen, die Du weinst.

Die Tränen des Abschiedes werden sich in Tränen der Dankbarkeit verwandeln, dass Gott Dir, dass Gott uns seine Treue nicht aufgekündigt hat.

Jetzt haben wir die Gründe der Anfechtung durch: den Tod, das Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn..

Unsere Liebe zu Gott, ihr glatter Verlauf ist nicht selbstverständlich. Es kann immer wieder etwas dazwischen kommen, wenn wir nicht dem heutigen Predigttext glauben.

Paulus sagt dagegen ein klares: Nein! Nichts, aber auch gar nichts, kann uns von der Liebe Gottes trennen oder scheiden. Kein Leid auf dieser Welt, kein Trübsal, keine Angst, keine Verfolgung, kein Hunger, keine Gefahr, keine Bedrohung durch Waffen ist dazu fähig. Nicht einmal der Tod kann es. Selbst die Engel könnten es nicht schaffen. Keine Macht des Himmels und der Erde kann uns von der Liebe Gottes scheiden. Weder heute, noch morgen, noch in naher oder ferner Zukunft. Niemals.

Was auch immer du leidest, was auch immer dir passiert, wer auch immer dir schadet – Gott liebt dich. Er steht auf deiner Seite. Er hält zu dir. Sie tröstet und stärkt, weil sie bleibt. Was Liebe ist, können wir sehen, wenn Menschen sich entschlossen haben, ein Leben lang zusammen zu bleiben. Und welche Qualität hat die Liebe einen Menschen zu heiraten, von dem man im Vorfeld schon weiß, dass er krank, schwer krank ist, auch wenn es sich jetzt noch nicht so gravierend zeigt?

Wenn wir Menschen schon eine solche Liebe haben, die auf Ewigkeit hin angelegt ist, um wie viel mehr dürfen wir Gott zutrauen, dass er uns nicht fallen lässt. Er kann die Trauernden nicht fallen lassen. Er würde sich lächerlich manchen, denn er hat sogar in diesem keinen Dorf einen großartigen Troststützpunkt, nämlich die Gemeinde. Ihr werdet hier getröstet, ganz praktisch, heute nach einer solch traurigen Woche des Abschiednehmens. Ihr werdet so getröstet, wie ich auch von Euch getröstet wurde, als ich an dem Todesjordan stand, Meint ihr, ich hab es nicht gemerkt, die Freude, die da war, als ich das erste Mal von der Chemo gezeichnet hier vor euch stand? Und später die zahlreichen Bemerkungen: „Du siehst ja wieder richtig gut aus“. Das ging runter wie Öl. Und nun stehe ich hier und bringe euch eine himmlische Retourkutsche: Gott spiegelt euch das wieder, was ich empfangen habe.

„Kopf hoch, es wird schon weiter gehen….“ Nein, so billig geht es heute nicht. Gottes Trost ist mehr. Wenn man dann abends nach getaner Arbeit allein im Bett liegt und sieht, der Nachbarplatz ist leer, wenn eure Tränen ins Leere laufen und nur vom Kopfkissen aufgefangen werden, wer von euch kennt nicht solche Situationen, dann denkt an Paulus. Nichts, nichts und noch einmal nichts, weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Nur bei ihm sind unsere Tränen gut aufgehoben. Seit er seine für uns vergossen hat, kann, darf und muss sich die Aussage „Nichts kann uns trennen“ in unser Leben, Denken und Tun so tief verankern, dass wir eines Tages, wie Heidi, kurz vor ihrem Heimgang geschrieben hat, auch sagen können: „Ich genieße die liebevollen Zuwendungen hier und freue mich schon mal auf den Himmel“.

Du hast absolut recht: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Amen

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Responses

  1. „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben…….“
    Habe mal in Hannover auf einem Grabstein gelesen: „Ich bin zur Ewigkeit geboren – für eine bess’re Welt bestimmt. Mein Leben geht nicht ganz verloren – wenngleich das Grab den Leichnam nimmt. Zu groß bin ich für diese Zeit – mein Schicksal ist Unsterblichkeit!“ Habe dann für mich gedacht, ich hätte meisseln lassen: „….mein Schicksal ist Barmherzigkeit!“

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    • Der ist gut, den kannte ich auch noch nicht. Danke!

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  2. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden (Lutherbibel)

    „Gesegnet sind jene, deren Gefühle aufgewühlt sind;
    sie werden innen durch Liebe vereint werden.

    Gesund sind die Schwachen und Überanstrengten;
    sie werden ihren inneren Kraftfluß wiederfinden.

    Geheilt sind die, die um ihre unerfüllten Wünsche weinen;
    sie werden das Gesicht der Erfüllung in einer neuen Form erblicken.

    In Übereinstimmung mit dem All-Einen sind die Trauernden;
    sie werden getröstet werden.

    Im Einklang mit der Quelle sind jene, die sich vom Leben verwirrt fühlen;
    sie werden aus ihrem Umherirren zurückgeführt werden.“

    (aus Neil Douglas-Klotz Das Vaterunser)

    Ich habe Herzschmerzen beim Lesen Deiner Predigt bekommen.

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    • Ich kann mich nicht erinnern Dir eine Predigt geschickt zu haben, die Du hättest lesen können. Es sei, dass Du meine Tonaufnahmen, die ich hier reinstelle, lesen kannst. Und das halte ich für etwas schwierig, denn mit dem Ohren wirst Du wohl nicht lösen können.
      Herzschmerzen können ein gutes, aber auch schlechtes Singnal sein. Rauchst DU???

      PS Ist Neil Douglas-Klotz auch schon tot wie Luther und Bonhoeffer?

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      • Predigt in Tiddische am 10.1.2010
        die habe ich gelesen!

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        • Ja, nun musste Dich wohl mit den Herzschmerzen rumplagen….

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