Verfasst von: Hao | 26. Dezember 2009

Ein anderes Lied


Samstag, 26. Dezember 2009

Lobsinget dem HERRN; denn Großes hat er getan, kund sei das in aller Welt! Jesaja 12,5

Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Apostelgeschichte 6,8

Willi Hoffsimmer erzählt in seinem Buch „Eine heilige Zeit“ folgende Geschichte:  „Im Lager der deutschen Kriegsgefangenen ist es still geworden. Todmüde von der Arbeitsschicht im Kohlenbergwerk haben sich die meisten aufs Lager hingestreckt. Nur einige Unentwegte versuchen Weihnachten zu feiern. Ein paar Texte und halbfalsche Weihnachtslieder, das ist alles. Eine Grubenlampe wirft flackernd ihr Licht in einen Raum, in dem heute so viel Heimweh und Sehnsucht schlummert.

Da wird plötzlich die schwere Riegeltür aufgerissen und das von den Kriegsgefangenen meist gefürchtete Kommando versetzt sie alle in die harte Gegenwart zurück. „Das ganze Lager antreten!“ Sicher mal wieder einer der langen Zählapelle mit stundenlangem Warten in der Kälte.

Von den Wachtürmen suchen Scheinwerfer die in Reih’ und Glied stehenden, frierenden Gestalten ab. Wache und Lagerkommandant, in Pelz uns Mantel gehüllt, treten vor. Ein Dolmetscher wird zum Kommandanten gerufen. Satz für Satz übersetzt er ins Deutsche. „Kriegsgefangene! In eurer deutschen Heimat wird heute von Reaktionären ein Fest gefeiert, das zwei Tage dauert. In der Sowjetunion hat man keine Zeit Feste zu feiern, da wird gearbeitet zum Wohle aller Proletarier der Welt, damit für sie bald die Stunde der Befreiung schlägt. Darum singt jetzt, zum Zeichen der Verbundenheit mit allen Werktätigen, die Internationale. Schon beginnt der Dolmetscher vorne zu singen: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde“Einige singen mit, noch zaghaft: „Stille Nacht, heilige Nacht“, dann aber stimmen alle ein, voll und kräftig. Die erste Strophe ist beendet. Der Dolmetscher wiederholt eben den Schluss der Internationale: „Völker, hört die Signale“…, da erklingt, wie ein Trutzlied die andere Strophe des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“.Die letzte Strophe singen, nein rufen tausend Mann in die geheimnisvolle Nacht: „Christ, der Retter ist da. Das klingt wie ein begeistertes Bekenntnis und dringt hinaus durch den dreifachen Stacheldrahtzaun, hinein in die endlose russische Steppe. Dann herrscht atemberaubende Stille. Der Kommandeur richtet an den Dolmetscher eine Frage, der antwortet laut: „Das war die Internationale nach deutscher Melodie.“Mein Zoster fängt an zu jucken. Doch ich bleibe hart, weiß ich doch, dass die Flüssigkeit in den Bläschen mit Viren durchsetzt sind. Ich muss es weiter aushalten und wenn es noch so jucken sollte.

Alles geht mal wieder sehr angsam und bedächtig. Bewegungen fallen mir schwer. Doch in solchen Situationen denke ich an Zeiten, in denen ich an einen Rollstuhl gebunden war. Und dann freue ich mich, wie gut es mir jetzt geht.

Schwester Traudel hat sich meiner Esssorgen über das Fest angenommen. Auch heute darf ich Ihr Gast sein. Zum Schluss erhalte ich noch einen selbstgebackenen Kuchen.

Maike hat zur Weihnachtsfeier eingeladen. Rund 30 Gemeindeglieder kamen. Eine volle Stunde haben wir gesungen, vielleicht nicht schön, aber dafür recht laut. Mein Glück, dass der Weißkittel nicht dabei war. Sie hätte sicherlich den Raum fluchtartig verlassen… Dabei weiß sie nicht, wie schön ich singen kann. Und ich habe keinerlei Möglichkeit sie davon zu überzeugen. Sie will es einfach nicht wahrnehmen. Ich habe keine Chance….Den Abend lasse ich ruhig ausklingen. Ich schreibe die letzte Adventsmail und packe alle Mails, die damit zusammen hängen, in entsprechende Ordner. Der Mensch, der einmal meine Datenbank erbt, kann sich schon jetzt freuen. Nun habe ich wieder rund eine Stunde mehr Zeit für mich und meine persönlichen Belange. Doch wie ich mich kenne, werde ich sie bestimmt wieder mit anderen Usern teilen. Warum, so frage ich mich, bin ich eigentlich nicht früher Rentner geworden?

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Responses

  1. Wie schön. daß Du trotzdem so fröhlich bist. Das hätte Dir alles „Besprechen “ nicht gebracht. Das ist ein Geschenk von oben. Wir drücken weiter die „Gebetsdaumen“. Bleib tapfer hätte PD gesagt.

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  2. „Ach nimm das arme Lob auf Erden,
    mein Gott in allen Gnaden hin.
    Im Himmel wird es besser werden,
    wenn ich bei deinen Engeln bin.
    Dann sing ich dir im höhern Chor
    viel tausend Halleluja vor.“
    In diesem Sinne singen wir froh, laut und leise, gerade und schräg zu Gottes Ehre und uns zur Freude.
    Die Daumen bleiben gedrückt. Und das „PD-Zitat“ hat Giselchen schon geschrieben.

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    • Wie ich diese alten Lieder liebe. Auch heute im Juck- und Kratz-Gottesdienst. Danke

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  3. Na ja, wenn du deine Zeit mit den „Usern“ teilst, bist du ja auch nicht so alleine. KANN auch segensreich sein.
    Gby, Hao

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  4. Was macht dass ich so fröhlich bin
    In meinem kleinen Reich
    Ich sing und tanze her und hin
    Vom Kindbett bis zur Leich

    Ich bin
    vergnügt
    erlöst befreit
    Gott nahm in seine Hände
    Meine Zeit
    Mein Fühlen Denken
    Hören Sagen
    Mein Triumphieren
    Und Verzagen
    Das Elend
    Und die Zärtlichkeit

    Hanns Dieter Hüsch

    -Alles hat Er in seinen Händen,alles wollen wir ihm in die heilenden Hände geben.Er ist unsere Freude.
    So sei Ihm befohlen,Er helfe dir,heile dich,schenke dir Seine Freude auch in dieser Krankheitszeit.Bist ja nicht allein:Er ist da-und wir beten für dich!

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    • Danke!!! Die besten Sachen sind die, die mal selbst in den Blog gestellt hat und dann von anderen in guter Absicht wieder zurückgespiegelt bekommt.

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  5. Giselchens erste Zeile rief in mir die Worte“was macht,das ich so fröhlich bin“in den Sinn.Ich googelte sie aus,fand obenstehendes…
    Nun hab ich nochmal in deinem Blog gesucht-und staune.Ja,es ist erstaunlich,wie Gott uns nutzt einem anderem altbekanntes in Erinnerung zu rufen,damit zu trösten.Nun sei aber auch dein Eintrag hier reinkopiert(meins scheint ja nur ein Auszug gewesen zu sein?):
    Ich bin vergnügt
    erlöst, befreit
    Gott nahm in seine Hände
    meine Zeit
    Mein Fühlen Denken
    Hören Sagen
    Mein Triumphieren
    Und Verzagen
    Das Elend
    Und die Zärtlichkeit

    Was macht daß ich so fröhlich bin
    in meinem kleinen Reich
    Ich sing und tanze her und hin
    Vom Kindbett bis zur Leich

    Was macht daß ich so furchtlos bin
    in vielen dunklen Tagen
    Es kommt ein Geist in meinen Sinn
    Will mich durchs Leben tragen

    Was macht daß ich so unbeschwert
    Und mich kein Trübsinn hält
    Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
    Wohl über alle Welt

    Hanns Dieter Hüsch
    -Freu mich,wenn´s dir gut getan hat!!!

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