Verfasst von: Hao | 17. Dezember 2009

Kleine Lebenshinweise


Donnerstag, 17. Dezember 2009

Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. Psalm 40,2

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Kolosser 4,2

Nachmachen bringt Freude

1. Mach aus der ängstlichen Sorge um morgen die behutsame Fürsorge für heute.

2. Vergleiche dich nicht mit anderen, es bedeutet sinnloses Leiden. Jeder Mensch ist unvergleichlich. Darum brauchen wir niemanden zu beneiden oder verachten.

3. Plane deine Zeit, aber lass Freiräume für Überraschungen. Nimm Menschen stets wichtiger als Dinge. Wer liebt, hat Zeit!

4. Ärgere dich nicht über andere. Wer sich über andere aufregt, büßt ihre Sünden. Nur wer liebt und vergibt, kann Menschen verändern.

5. Teile gern mit anderen. Teilen vermehrt das Lebenskapital. Und die Vermehrung des Lebens beginnt immer mit dem Opfer.

6. Vergiss die Freude nicht. Suche bewusst die kleinen und großen Anlässe zur Freude bei dir und anderen.

7. Beginne den Tag mit einem Gespräch mit Gott. Danke, klage, bitte, singe, aber rede mit ihm. Er wartet schon auf dich.

Nicht dass der Eindruck entsteht, dass ich meinen Krebs lieben würde, aber ich kann gut damit leben. In unregelmäßigen Abständen erinnert er praktisch daran und sagt mir: „Ich bin zwar derzeit für Dich nicht mehr da, aber ganz vergessen wirst Du mich nie.

In der Tat: Heute stehe ich um 12 Uhr wieder bei Madame Weißkittel im Rahmen. Es sind nicht leckere Panzerplatten, die mich locken, sondern mein Port, der es wieder mal nötig hat durchgespült zu werden. Ich kenne das Prozedere: Ein kurzer Stich mit einer Spezialnadel, die einen Huber Schliff besitzt, damit die Membrane nicht verletzt wird, verbunden mit einer Kontrolle, ob der Port rückläufig ist. Dann eine Kochsalzlösung hinein, ein Pflaster drauf und wieder sechs bis acht Wochen Ruhe.

Nein, ich beschwere mich nicht, mein Weißkittel und ich unterhalten uns dabei und machen Witze. Das Portspülen ist zur Gewohnheit geworden, bedeutet aber für mich immer wieder eine Erinnerung an die schwersten Tage meines Lebens verbunden mit der Hoffnung, dass eines Tages der Port auf meinem Schreibtisch liegt und ich ihn Euch per Bild präsentieren kann. Es wird sich nur noch um Jahre handeln, wobei es aber auch anders kommen kann. Was ich aber jetzt schon weiß, ist die Tatsache, dass ich eines Tages einen neuen Körper haben werde und mein Weißkittel sich eine andere Arbeit suchen muss, denn in der Ewigkeit werden Krankenschwestern arbeitslos sein.

Bin heute mal wieder neugierig und frage bei meiner Krankenversicherung nach: Bis zum heutigen Tag haben die Jungs und Mädels in Köln genau 107.635,14 € gezahlt. Und dann gibt es immer noch übergeistliche Menschen im Lande, die sagen: „Versicherungen darf man nicht haben, das ist ungeistlich“. Da alles Übergeistliche bekanntlich im Fleisch endet, habe ich für diese Menschen auch eine spezielle Bezeichnung, die vielleicht für den einen oder anderen hart scheint, aber genau ins Schwarze trifft: Sozialschmarotzer.

Meinem Weißkittel entgeht nichts. Verdächtige Flecken, die ich noch gar nicht entdeckt habe, ich scanne ja schließlich nicht täglich meinen Körper ab, nehmen ihre Aufmerksamkeit in Beschlag. Sie holt eine Ärztin, die aber Entwarnung gibt, zumal nichts schmerzt. Höchstwahrscheinlich war es wieder mal meine Wärmflasche, die in meinen Armen eingeschlafen ist. Oder war ich es etwa, der weggetreten war?

Als ich mich verabschiede, erhalte ich einen Liebesbrief. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen einzuwenden, aber wenn ein Liebesbrief sich als Abschiedsbrief entpuppt….

Auf Grund einer strukturellen Änderung wird für die nächsten sechs Monate dicht gemacht. Das ist bitter, besonders für die onkologische Fachkrankenschwester, die bis zur Wiedereröffnung der Onkologie Mitte des Jahres auf einer Frauenstation arbeiten wird. Ich habe als Privatpatient noch Glück, meine Nachsorge kann weiter im Krankenhaus geschehen. Aber Kassenpatienten müssen weite Wege zu ihren Chemos zurücklegen.
Etwas sorgenvoll verlasse ich das Krankenhaus. Hätte mir lieber was anderes zum Jahreswechsel gewünscht.

Heute versuche ich mich an dem Predigttext. Ich bin schon halb fertig, da schmeiße ich alles wieder über den Haufen und fang noch einmal von vorn an. Ich kann nicht immer einen guten Tag haben.

Dieser klingt aus mit einem Besuch meines Freundes. Gegen 22 Uhr schneit er rein. Ursprünglich will er mir zwei Pizzen mitbringen, aber hier kommt leider nur Spekulatius an, den ich trotzdem genüsslich verspeise. So brauche ich mich heute Abend nicht wieder an den Herd zu stellen.

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Responses

  1. Lieber Hans-Otto, heute hast du die Beerdigung zu halten. Dafür wünschen wir dir Gottes Segen und ganz viel Kraft! Möge unser Herr dir dann auch die richtigen Gedanken für die Predigt zum Thema „Vorfreude“ bzw. „Freude“ geben!
    Herzliche Grüße Norbert und Annelene

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    • Danke. Mit der Freude habe ich schon alles fertig, aber die Vorfreude macht mir noch einige Gedannken. Aber bis Sonntag ist ja noch viel Zeit.

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  2. Mein lieber Herr Hebbinghaus,
    die fachonkologische Krankenschwester wird im kommenden Halbjahr die onkologisch erkrankten Frauen in der Frauenklinik betreuen.
    Und das hat sie sich auch so ausgesucht.
    Ich stelle es mir ganz schön vor, mal nur bei Frauen zu arbeiten.
    Eine kleine Erholung von meinen „ollen Knisterköppen“, man nennt sie auch Männer.

    (Nicht ganz ernst nehmen, sie werden mir alle sehr fehlen. Aber wir sehen uns im Sommer wieder).

    Ganz lieben Gruß der Weißkittel

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  3. Was meist du eigentlich mit dem wiederholten Ausspruch :“Alles Übergeistliche endet im Fleisch“? Meinst du damit die Begeisterung die David an den Tag legte,als er tanzend vor dem Herrn vor Freude an IHM durch die Srrassen lief? Ja, Micha fand das abstossend, stimmt. Mich macht das eher neugierig.

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    • Alle Übertreibungen, auch im geistlichen Bereich, werden letztlich in der Welt landen, wenn sie biblisch nicht fundiert sind, wenn z.B. eine biblische Nebenaussage zur zentralen Hauptaussage gemacht wird.

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