Verfasst von: Hao | 19. November 2009

Der springende Punkt


Donnerstag, 19. November 2009

Die Furcht des HERRN wird Zions Schatz sein. Jesaja 33,6

Paulus schreibt: Christus möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung. Philipper 3,10

Das Entscheidende und Ausschlaggebende nennen wir den springenden Punkt, das ist also ein wichtiger Punkt, gleichsam die Hauptsache. Diese Wendung geht auf eine Naturbeobachtung des Aristoteles zurück, der der Ansicht war, dass in einem bebrüteten Vogelei das Herz des kleinen, heranwachsenden Vogels als ein sich bewegender, eben springender Punkt erkennbar sei. Das punctum saliens aus seinem Bericht wurde dann der springende Punkt in der Umgangssprache: Ein Ausdruck für den Punkt, von dem das Leben ausgeht.

Der springende Punkt im Leben? Wo ist der Punkt, von dem alles Leben ausgeht? An welchem Punkt entscheidet sich wirklich alles, Leben und Sterben, Sein oder Nichtsein, Überleben oder Zugrundegehen? Der springende Punkt für das Leben ist für uns der, der den Tod überwunden und das Leben lebendig gemacht hat, Jesus Christus. An ihm entscheidet sich alles, und er gibt in allem den Ausschlag. Er ist die Hauptsache oder besser die Hauptperson des Lebens.

Er kam, sah und siegt. Er, das ist mein lieber Freund und Bruder Andy III. Lange habe ich meinen Roller nicht mehr benutzt. Logo, das Wetter war auch nicht so prall. So starte ich meine blaue Mühle heute: Geht schlecht, der Anlasser dreht kaum durch. Klar, die Batterie muss dringend aufgeladen werden. Gesagt, getan. Mein Ladegerät spinnt. Zum Glück kann ich noch eines aus der DDR-Produktion ausgraben. Fehlanzeige. Was tun. Die West-Produktion, eigentlich ist es ja ein Fern-Ost Gerät wird auseinandergeschraubt und dann… Wenn interessieren schon die einzelnen Schritte. Nach dem Zusammenschrauben funktioniert das Gerät, ich kann die Batterie laden. Nun dreht zwar der Starter, aber die Kiste springt immer noch nicht an. Verstehe ich nicht, hatte doch sonst nie Anlassprobleme.

Dann kommt Er und siegt. Er zeigt mir den Fehler: Die Vergaservorkammer war nicht mit Benzin gefüllt. Zweimal gepumpt und der Motor springt an, Freunde sind mit Geld nicht zu bezahlen.

Natürlich will ich auch Freund sein. Und dazu hatte ich heute wieder Gelegenheit, „Herr Hebbinghaus, kommen sie mal rüber, mit meiner Spülmaschine klappt etwas nicht“. Kein Problem, nun kam ich, sah und siege. Ein Plastikteil hatte sich gelöst. Nachdem ich es wieder befestigt habe, ist das Problem beseitigt. Meine Anna ist zufrieden und ich auch. Wenn doch nur alle Probleme des Lebens so schnell gelöst werden könnten.

Heute vor 20 Jahren: Ich werde den Tag nicht vergessen. Die erste Grenzöffnung im Landkreis. Wie oft stand ich mit geballten Fäusten vor der Straßensperre. Jedem Besuch bei mir habe ich diese Stelle der Schandmauer gezeigt. Dann kam die Wende. Nachdem die Mauer in Berlin fiel, dauerte es nicht lange, bis sie auch im Landkreis viel. Schon Tage vorher habe ich in den hiesigen Tageszeiten von der Maueröffnung berichtet, die ja auch nicht von einem Tag zum anderen geschehen konnte. Zuerst kam schweres Räumgerät zum Einsatz, um die Mauer an der späteren Übergangsstelle einzureißen. Dann musste erst einmal die alte Straße, die es gar nicht mehr gab, gebaut werden. Zum Schluss traf eine große Teermaschine ein, die dann den Rest besorgte.

Dann kam der Morgen der Grenzöffnung. Bereits um 6 Uhr hatte sich eine riesige Menschentraube an beiden Stellen der Grenze eingefunden. Unter dem Knallen unzähliger Sektkorken, einer jubelnden Menge, die im Gestank der nicht enden wollenden Trabischlage sich verbrüderten, war das Doppeldorf wieder hergestellt. Ich spürte nicht die Kälte und begab mich zu Fuß auf den Weg nach Böckwitz, vorbei an vielen Grenzern, denen wohl zum ersten Mal ihr Outfit äußerst peinlich war. Das meist gesprochene Wort „Gänsefleisch“ konnte man nicht einmal hören, die Zeiten waren vorbei. Nun sind sie wieder vereint, das Doppeldorf Böckwitz-Zicherie.

Doch wenn ich ab und zu mal wieder vor Ort bin, sehe ich in Gedanken, die Grenze, den Wachturm, rieche noch die vollbesetzte muffelige Kneipe im Grenzgebiet, und sehe die jubelnden Menschen, die sich einen Grenzstempel auf einen Geldschein drucken ließen. Später habe ich dann mehrmals mit meinem alten Golf, den Kolonnenweg abgefahren und den Rückbau der Grenze fotografiert. Zicherie-Böckwitz, nur 28 Kilometer von Gifhorn entfernt. Ich sollte mal wieder Richtung Osten fahren. Hier nun ein kleiner Rückblick auf die Grenzöffnung.


Heute nun der Besuch bei Birgül. Gestern war ich ja 24 Stunden zu früh. Ich dachte eine typisch kurdisch gestaltete Wohnung aufzufinden. Doch da habe mich getäuscht. Alles geschmackvoll in schwarz-weiß gehalten, blitzt sie so vor Sauberkeit, dass es mir fast in den Augen schmerzt. Ein Männer und ein Frauenzimmer, in dem man kein Fisselchen Staub sehen kann. „Ich sauge täglich zweimal“. So kann kein Saustall entstehen. Mit einem Nachmittagsmittagessen habe ich nicht gerechnet. Reis und Putenfleisch, danach noch Kuchen. Nicht schlecht…. Kurden haben eine besondere Art Reis zu kochen. Einen solchen Geschmak habe ich bei deutschen Köchen noch nicht feststellen können.

Ein langes und sehr offenes Gespräch über Si tten und Gebräuche bei den Kurden.

Nach zwei Stunden setze ich mich wieder auf meinen Roller und düse nach Hause.

Ich freue mich, dass ich wieder ein Stück Vorurteil gegenüber einen Kurden abbauen kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass Birgül genau so denkt.  Es wird nicht der letzte Besuch dort sein.



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