Verfasst von: Hao | 20. Juli 2009

Nachruf


„Erleichtert, erlöst…“ Für Hella Heizmann

Eine uralte Platte der überaus fleißigen und kreativen Sängerin und Komponistin, Hella Heizmann, steht in meinem Archiv.

Vielleicht war sie gerade 20, als das Coverfoto entstand. Sie sitzt in einer Chorrunde auf einer Wiese, hat ein wunderschönes Gesicht, das durch lange schwarze und wellige Haare umrahmt wird. Kein Wunder, dass ich mir damals sehr oft diese Scheibe anhören musste.

Dann sehe ich sie zig Jahre später in einem Konzert: Eine reife Frau, die langen Haare abgeschnitten. Und ihre Musik, ihre Stimme, ihre Erscheinung: Noch schöner, noch packender.

Nach meinem 1991 gewonnenen Arbeitsprozess, der mir unendlich zugesetzt hatte, spielte ich tagelang in meinem CD-Player ihr Lied „Erleichtert, erlöst, von Fesseln befreit“. Und ich sang laut mit, weil ich Grund dazu hatte…. „von Fesseln befreit“.

Jetzt kann ich dieser Frau nur noch postum für dieses Lied und ihren anderen musikalischen Werke danken, die mir in allen Lebenslagen Trost, Entlastung und Freude gegeben haben.

Warum hat mich der plötzliche Tod von Hella Heizmann so getroffen? Ist es nun die Art der Krankheit, die Zeit von nur elf Wochen vom Erkennen des Krebses bis zu ihrem Tode?

Vielleicht ist da aber auch die Frage, was ich machen würde, wenn ich nur noch drei Monate zu leben hätte. Ach ja, habe ich nicht schon einmal so etwas Ähnliches von den Ärzten gehört? Aber da war es knapp die doppelte Zeit. Ich darf noch leben, hier, auf dieser Welt.

Hella ist beim Herrn, von den Fesseln des Krebses erlöst.

Oder ist es das „Problem“, das ich mal mit der begnadeten Sängerin hatte, auch wenn wir uns niemals in meinem Leben gesprochen oder ein Wort geschrieben hatten? Wir kannten uns ja nicht einmal persönlich.

Hellas Bilder verblassen, aber ihre Texte und Töne bleiben nicht nur in meinem Herzen. Bleiben wird auch einer meiner schlichtesten Aussagen, die mir auch noch nach 20 Jahren im Nacken hängt.

Ich war der Meinung, dass ein Christ, der geschieden ist, in der Öffentlichkeit keine christlichen Lieder mehr singen sollte und vor allen Dingen nicht beim ERF gespielt werden dürfte. Was nicht sein darf, das nicht sein kann. Ich fühlte mich sogar gedrungen, bei einem zufälligen Treffen Jürgen Werth, den ich Mitte der 80ger Jahre im Rahmen einer Senderbesichtigung in Meran traf, darauf hin anzusprechen.

Der jetzige Direktor des ERF sah „mein Problem“ in seiner Weisheit und seinem Weitblick natürlich anders. Ich habe ihn nicht verstanden, damals jedenfalls noch nicht. Es brauchte viel Zeit und auch so manches privates dunkles Tal, welches ich durchschreiten musste, um zu erkennen, wie es aussehen kann, wenn man die Gnade Gottes beschneidet. Sie blieb bei meinem Denken auf der Strecke, denn der Buchstabe tötet bekanntlich, aber der Geist macht lebendig. Und was wird bei 1. Korinther 13 immer noch über Glaube und Hoffnung gesetzt? Natürlich die Liebe und das Verständnis zu schweren Lebenslagen, die ich damals nicht hatte.

Aber Gott nahm mich später in seine Schule, die einem ganz schön an die Nieren, manchmal aber auch an die Lymphe und das Becken gehen kann. Er hat meine Krebskrankheit zum Stillstand gebracht, Kraft gegeben, durchzuhalten. Ich brauchte seine Lebensschule nicht vorzeitig verlassen, er hat mich auch nicht „gefeuert“, auch wenn ich in dieser Schule so manche Ehrenrunde drehen musste und sicherlich auch noch muss. Aber Strafarbeiten wurden nie verteilt.

Wenn ich eines Tages auch bei meinem Herrn angekommen bin und das Abschlusszeugnis mit der Auszeichnung: „Versager, aber begnadigt und versetzt in die Ewigkeit!“ bekomme, wird mich der Lehrer in seine Arme nehmen und sagen: „Hao, herzlich willkommen, Deine Schulzeit ist zu Ende, hast ja lange die Bank drücken müssen, aber jetzt beginnt das ewige Leben. Warst ja nicht immer ein einfacher Schüler, hatte so manchen Kummer mit Dir. Aber mein Sohn hat alles wieder ausgebügelt. Lass es nun langsam angehen, Du hast einen sehr weiten Weg hinter Dir, der besonders in Deiner zweiten Lebenshälfte nicht so einfach war wie in der ersten. Ruhe dich erst einmal aus, mache Dich mit dem neuen himmlischen Körper vertraut. Dann kannste rüber zum Loben und Preisen gehen, die machen dort ein Dauerprogramm, denn die Zeit gibt es nicht mehr.

Und wer ist dabei? Natürlich auch Hella, du kennst sie ja schon lange. Du weißt ja. War ja nicht unbedingt Deine Glanzleistung, was Du damals so über mein geliebtes Kind gedacht hast. Musst wohl erst noch mit ihr bereinigen. Mehr will ich nicht dazu sagen“.

Später umarme ich Hella, ich berichte von meinen Gedanken, die sie nicht kannte. Ich entlaste mein Gewissen, dann singen wir ein tolles Duett, ich natürlich mit meiner neuen himmlischen Stimme. Hella nimmt ihre alte, denn die war schon bereits auf der Erde stark himmelsverdächtig. Welches Lied? Dreimal könnt Ihr raten: Natürlich: „Erleichtert, erlöst, von Fesseln befreit….“
Danke, liebe Hella, für Dein reiches musikalisches Erbe!

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Responses

  1. Dies Lies:“Denn Er hat seinen Engeln befohlen üeber dir, dass sie dich behüten…..“ hab ich so geliebt.Sie übte es mit uns ein, 2004 in der Hohen Mark.
    Danke Hella, es war so beglückend und friedvoll als du dort warst!!! Viele werden dich in guter Erinnerung behalten.
    Bis wir dich wiedersehen im Himmel.
    Moni

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  2. Hey Hao
    deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Bei uns wurde auch viel gemunkelt, wegen der Scheidung… Unglaublich wie unbarmherzig man selber war und wie barmherzig Gott ist. Ich bin sehr froh, diesem Gott begegnet zu sein.
    An Hella Heizmann erinnere ich mich besonders an das Lied: Das Kreuz es stehet fest, Halleluja.
    Da sie so total hoch singen kann.

    Lass es dir gut gehen
    LG Elke

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  3. Komisch…..! (Liegt wohl daran, dass ich eben das Lied „Er hat seinen Engeln befohlen über dir“ im ERF gehört habe)….ich musste über sie – Hella – und ihr Leben nachgoogeln.

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