Verfasst von: Hao | 8. Mai 2009

Die Freundlichkeiten Gottes


Freitag, 8. Mai 2009

Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! Psalm 96,3

Ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Römer 1,16

Fritz Pawelzik berichtet: „Er ging mit uns zur Schule, und unsere Väter waren alle Bergarbeiter. Aber der Heinzie Meine Schulehatte es schwer mit uns. Er hatte einen Buckel und lernte schwer. Er kam bald in die Sonderschule, die wir verächtlich „Brettergymnasium” nannten. Er wurde ausgelacht und sogar getreten. Wir machten seinen Gang nach und seine langen Arme, die nicht wussten, wohin. Da auch etwas mit seiner Sprache nicht stimmte, ahmten wir ihn nach, und wer es am besten konnte, bekam Beifall. Ich schäme mich noch heute dafür. Nach der Schule hörte ich nichts mehr von ihm. Ich wurde Soldat und geriet in Gefangenschaft.

Als ich zurückkam, schlug ich mich mit Jobs durch. Beim CVJM fand ich einen neuen Sinn in meinem Leben und wurde Mitarbeiter. Und eines Tages traf ich Heinzie auf CVJM Nigeria 1970der Straße. Ich wollte an ihm vorbeieilen, aber er sah mich so traurig an, dass ich stehen blieb. Er sagte: „Ich freu‚ mich, dass du gesund aus dem Krieg zurück bist.” – „Ja, ja”, knurrte ich und trat von einem Fuß auf den anderen. „Ich hab’ gehört, du bist jetzt bei den Frommen – ist besser als die Hitlerjugend früher.” „Ja, ja”, knurrte ich. „Meinst du, ich könnt‚ auch zu den Frommen kommen?” fragte er. „Ja, ja”, sagte ich wieder – weiter fiel mir nichts ein.

Er erschien dann im CVJM. Sonst gab ich immer damit an, welche Typen ich da anschleppte. Aber den Heinzie ließen wir alle links liegen. Doch Heinzie war immer da, saß am Tisch und sagte kein Wort. Er war so ein Stück Mobiliar geworden. Aber auf einmal war er nicht mehr da. Fiel uns erst gar nicht auf. Wochenlang erschien er nicht. Da haute mich der Vorsitzende an: „Hör mal, der Heinz wohnt doch da oben bei euch. Erkundige dich doch mal, was los ist.” Ich traf seine Mutter an. Die war ganz traurig. Krankenhaus„Der Heinzie ist im Krankenhaus. Er war ja schon immer schwach, auch das Herz, aber jetzt geht es zu Ende.” Schlechten Gewissens fragte ich nach dem Krankenhaus und besuchte ihn. Die Schwester sah auch traurig aus. Aber sie freute sich über meinen Besuch. „Sonst kommt nur die Mutter, und die weint.” Da lag der Heinzie. Ganz bleich und dünn. Er konnte kaum noch reden. Doch er lächelte. Er hielt meine Hand fest. „War schön bei euch”, sagte er, und: „Du warst immer so gut zu mir.” Ich schämte mich. Heinzie sagte: „Kannste noch mal kommen und die Bibel lesen?” Das tat ich. Noch zwei Tage, dann starb Heinzie. Die Schwester sagte: „So wie er ist selten einer bei uns gestorben. So einen Glauben – wenn ich den nur auch hätte!” – „Das hab’ ich noch gar nicht gesehen an ihm”, sagte ich.

Wie lange nochAm Grab sollte ich für unsere Gruppe etwas sagen. Ich sagte alles, und alle schämten wir uns. Aber ich sagte auch: „Der Heinzie – Liebe hat er gebraucht. Aber er hat nicht immer Liebe gekriegt. Doch er lebte und starb in Gottes Liebe und war ein Vorbild im Glauben. Wir alle brauchen die Liebe Gottes und wir brauchen Mut, um uns nicht zu schämen, wenn wir von Jesus erzählen.” Dann rannte ich weg“.

Heute bin ich  ganz bei der Sache, der Krankenalltag hat mich Wer sticht wenwieder fest im Griff. Dafür sorgt  Schwester Jutta. Bereits um acht Uhr habe ich ein Date bei ihr. Es muss mal wieder ein Check gemacht werden. Mit anderen Worten: Blutabnahme, Blutdruck und die restliche Kür. Diese Art der Untersuchungen werden mich in den nächsten fünf Jahren in regelmäßigen Abständen begleiten. Ändevor einem Jahrrn kann ich daran nichts, wie sollte ich es auch? Solche „Treffen“ stellen immer eine Zäsur in meinem Leben dar.

Manchmal vergesse ich den Krebs und werde nur noch daran erinnert, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Dann wiederum gibt es Tage, so wie heute, an denen er einfach präsent ist, er mein Denken beherrscht. Machen, machen kann ich daran nichts, ich kann nur beten und offen, und , dass er gnädig mit mir umgeht.

Um 14 Uhr erfolgt der nächste Teil meines heutigen Schwesterntages. Meine Lieblingsdiakonisse hat sich auf mein Anraten hin einen DVD-Brenner zugelegt, den ich installieren muss.

Zur Sache

TatwerkzeugeDann kommen wir zur Hauptsache. Weil ich mit meinem Kopf derzeit so aussehe wie ein geplatztes Kopfkissen, reicht Haargehl und der andere Schrott auch nicht mehr aus. Hier kann man nur noch mit der Schere was wieder halbwegs in Ordnung bringen. Und das FERTIGmacht dann auch Schwester Traudel. Sie legt los, während ich am Computer arbeite. Dafür, dass sie das Frisieren nie gelernt hat, kann sie es ausgezeichnet. Ein Segen, wenn Frauen Haare schneiden können. Ich kenne nur zwei, denen ich meine Rübe bedingungslos anvertrauen würde.

Vorher winken aber noch köstliche Bratkartoffel und weitere Leckereien, die ich dankend annehme.  Schon diese beiden Begegnungen: Morgens werde ich an die Grenzen meines Lebens erinnert und wenige Stunden später darf ich wieder zulangen, um mich auf dem Weg nach dort, der hoffentlich noch sehr lange dauert, zu stärken. Welch eine Fürsorge Gottes.

Sieht er vielleicht doch so aus, Schwester Juttas polnischer Erntehelfer????


Satt geworden


Responses

  1. Fritz Pawelzik war gerade für eine Woche in Lüdenscheid und hat in verschiedenen Schulen von seinen Erlebnissen und Erfahrungen aus Ghana berichtet.
    Hao, wie schön, Sie haben zwei „Schwestern“ im doppelten Sinn, die auf Ihr Äußeres und Inneres achthaben.
    Gott segne Sie, den Grenzgänger!

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    • Und ich habe Fritz noch nicht einmal live in meinem Leben kennen gelernt. Jammer, Jammer….

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  2. Er hat in ganz frühen Jahren öfter in meinem Elternhaus übernachtet, im Wohnzimmer auf der Couch, da wir keinen Platz sonst hatten. Das waren noch Zeiten.

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