Verfasst von: Hao | 13. Februar 2009

Paul Gerhardt Time…


Freitag, 13. Februar 2009

Du sprichst: »Ich bin unschuldig; er hat ja doch seinen Zorn von mir gewandt.« Siehe, ich will dich richten, weil du sprichst: »Ich habe nicht gesündigt.« Jeremia 2,35

Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 1.Johannes 1,8

Ein Mann kommt mit einer großen seelischen Not zu einem Psychiater. „Jeden Abend sehe ich unter meinem Bett eine riesige Schlange, und ich habe fürchterliche Angst! Können Sie mir helfen?” „Das ist ganz einfach”, erklärt der Psychiater, „Sie sagen eine Zeitlang jeden Abend: Da ist keine Schlange, nein, da ist gar keine Schlange! Und nach vierzehn Tagen ist das sicher vorbei, dann kommen Sie noch mal zu mir!”

minischlangenAls nach längerer Zeit der Patient nicht wiederkommt, erkundigt sich der Arzt. Dort meldet sich ein Fremder, der ihm erklärt: „Der Herr Schulze lebt leider nicht mehr, der ist von einer riesigen Schlange gebissen worden, die unter seinem Bett lag!”

Menschen leiden unter Sünde und Schuld. Aber die Gesellschaft will sie uns ausreden. Da ist gar keine Sünde, und die Schuldgefühle sind nur eingebildet. Bis uns dann die Sünde eines Tages kaputtgemacht und aufgefressen hat.

Ich atme einmal durch und stelle fest: Wieder einmal ist eine Woche vorbei. Dabei lebe ich doch nicht auf der Überholspur, eher auf dem Parkstreifen. Ich glaube, je älter ich werde, um so schneller werde ich alt. Eine weise Erkenntnis…

Heute läuft alles noch ruhiger. Ich will nicht zugeben, dass ich über den Diebstahl immer noch sauer bin, sehr sogar. Ich schreibe einen echt stinkigen Beitrag, doch mein Herr will offensichtlich nicht, dass ich ihn veröffentliche. Beim Kopieren ist er plötzlich futsch, einfach nicht mehr da. Schon toll, wie Gott reagiert, mich vor meinen eigenen Gedanken in Schutz nehmen will und sagt: „Deinen kompletten Frust brauchst Du nicht in die Welt zu posaunen. Es reicht, wenn er in meinen Ohren angekommen ist“.

Und was da so geblieben ist, es ist ja nicht einfach alles so weg, ertränke ich in wunderbaren Liedern von Paul Gerhardt. Früher konnte ich nicht viel mit den Texten anfangen, aber heute kommt es immer wieder vor, dass ich sie richtig durchbuchstabiere und mir sage: Ja, Hao, so ist es. Das ist dein Weg“. Nichts gegen die neuen Lieder, aber mit vielen „Anbetungsliedern“, (welches Lied ist eigentlich kein solches?) habe ich so meine Probleme. Trotz allem: An den alten musikalischen Vermächtnissen bis hin zu Bonhoeffer oder Jochen Klepper halte ich fest bis zum letzten Atemzug. So fühle ich mich getragen, nicht nur in schlechten Tagen. Diese Texte haben unendlichen Tiefgang. Wie es kommt? Eigentlich ganz einfach. Das Leben dieser Liederdichter traubenlebenfunktionierte nach dem Weintraubenprinzip. Wann geben die Trauben das Beste? Wenn sie gepresst werden. Und wo werden in der heutigen Zeit noch Liederdichter „in die Zange genommen“? Ich empfinde viele Aussagen so flach, so nichts sagend. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand  bei „Befiehl Du Deine Wege“ die Hände in die Höhe gehoben hat. Aber bei anderen Liedern geht es offensichtlich MeineFrage ist:  „Welche Lieder geben mir Kraft und Trost schwere Dinge zu verkraften? Und welche sind nur eine „religiöse Dusche“, die einen „Folienglauben“ produzieren, der morgen schon wieder ein anderes Gesicht haben kann? Nein, ich richte nicht, sondern versuche nur zu erfahren,  mit welchen Liedern ich leben, reichstagdurchs tiefe Tal gehen kann. Es war ein langer und nicht gerade einfacher Weg, bis ich erkannt habe: Hier bin ich richtig, hier ist die Kraftquelle, die ich brauche, das bin ich,  so ist es für mich gut. So brauche ich nicht jeder neuen Stilrichtung hinterher zu laufen und sagen: „Ich will auch dabei sein“. Was ließ meine Mutter am Tage der Beerdigung meines Vaters singen: „In dir ist Freude“kleiner-dicker1. Und da hat keiner die Hände gehoben, wohl aber gefaltet. Das gleiche gilt auch für die ungeistlichen Eskapaden von bestimmten „Gottesdienern“, die, wenn nicht aufgepasst wird, letztlich nur die Leute von der ersten Hilfe beschäftigen.  Da lobe ich mir doch den „kleinen Dicken“

Wie es auch sei. Paul Gerhardt hat wieder das Sagen. Und das sehr sehr lange. Und es tut unbeschreiblich gut.

Damit ich den ganzen Tag nicht rumdöse, schnappe ich mir wieder einmal meine zahlreichen Festplatten, beginne zu sichten, zusammenzuführen und zu löschen. So schaffe ich in meinem Arbeitszimmer unsichtbaren Platz für wichtige Dinge.

Aus dem Gemeinderaum habe ich mir die für mich lebenswichtige ich-lebeJahreslosung von 2008 besorgt, weil sie der neuen weichen musste. Jetzt schmückt sie meinen Kobel und erinnert mich an haarlose Tage und einer Zeit, in der es Gott sehr sehr gut mit mir meinte. Kann ich das so schreiben? Er meint es doch immer, Tag für Tag, sehr gut mit mir.

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