Verfasst von: Hao | 9. Februar 2009

Frau Danke und die Dankbarkeit ihres Herzens


Montag, 9. Februar 2009

Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! Psalm 150,2

Der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat das Reich eingenommen! Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben. Offenbarung 19,6-7

frau-danke„Frau Danke“ nannten die Nachbarinnen im Altenheim die Frau in ihrer Runde, weil sie für jede noch so kleine Handreichung und jedes gute Wort dankte, – mit einem Lächeln, das von Herzen kam. Sie litt seit ihrer Jugend an einer schweren Erkrankung des Zentralnervensystems, die den Körper Stück für Stück lähmte, bis sie kein Glied mehr selbst bewegen konnte. Aber sie konnte danken, erst noch mit einem Wort, dann nur noch mit ihrem herzlichen Lächeln. Und jeder spürte: Sie weiß, dass du ihr gut bist und sie denkt immer wieder daran in all ihrem Elend.

Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens. Wer danken kann, nimmt die Welt und die Menschen in sein Herz auf und sieht sie mit den Augen des Herzens. Er weiß, dass er das Leben nicht selbst macht, sondern immer neu geschenkt bekommt. Er weiß sich angewiesen auf andere, aber er weiß auch, dass er nie alleine ist. „Gott gab den Menschen ein Herz zum Denken“, heißt es in den Weisheitsbüchern der Bibel. Wer danken kann, denkt über sich selbst hinaus. Er lebt geborgen im Miteinander von Menschen. Und wenn er um Gott weiß, lebt er im Vertrauen auf Gottes schützende Hand.

familie-danke1Danken macht nicht abhängig im Sinne von unfrei. Im Gegenteil: Dank stiftet Gemeinschaft und baut Frieden auf. Das Gedächtnis des Verstandes kann scharf sein, absolut genau und gerecht. Das Gedächtnis des Herzens ist barmherzig und weit und kann auch mal fünf gerade sein lassen. Und es wirkt ansteckend. Die Pflegerinnen von „Frau Danke“ räumten ein, dass die Pflege extrem schwer sei. Aber sie drängten sich darum, weil sie erfahren hatten: „Das Zusammensein mit dieser Frau macht uns froh und zuversichtlich.“ Danke, „Frau Danke“! Ich möchte es dieser Frau nachmachen, nicht nur heute am Tag der Siegesfeier.

So eine richtige Freude will mich heute nach der Telefonandacht mit Schwester Traudel dennoch nicht packen, auch wenn der Text mich dazu anschieben will. Da fehlt noch etwas. Kein Wunder, wenn ich an diesen Tag denke, in dem mir das Ergebnis meiner ersten Nachsorgeuntersuchung präsentiert wird.

Ich bin ruhig und gelassen, aber doch schon so durcheinander, dass ich satte 60 Minuten zu früh im Krakenhaus auftauche. Ich wundere mich, dass ich allein im Wartezimmer bin. Dann komm ich eben schneller dran.

Ich sitze gelassen der freundlichen Ärztin gegenüber. „Sie sehen aber gut aus. Ihr Bart wächst ja prächtig“. Sie strunzt mächtig. „Geht es ihnen auch wirklich im Alltag so, wie Sie von außen aussehen?“ Ich bejahe dieses. „Dann will ich sie nicht weiter auf die Folter spannen. Es ist alles in Ordnung“. Unmissverständlich macht sie mir aber auch deutlich, dass man von einer kompletten Heilung erst nach fünf Jahren sprechen kann. Bis 2010 muss ich mich alle drei Monate vorstellen, dann nur noch jedes halbe Jahr.lebenDas Untersuchungsergebnis rauscht an mir vorbei, ich kann es noch nicht so richtig verstehen. Nach 10 Minuten sitze ich schon wieder in meinem Auto. Ich brauche an manchen Punkten meines Lebens immer sehr sehr lange, bis ich das Geschehen verarbeitet habe. „Hao“, so sage ich mir, „Hao“, die Chemo war ein voller Erfolg, Du darfst weiter sprung-1967auf dieser Welt leben“. Ich will Gott als Dank einen Luftsprung präsentieren, aber ich bleibe dennoch ruhig und gelassen.

Während ich alles bei mir sacken lasse, fällt mir wieder Heinrich ein, dem es derzeit nicht so gut geht. Ich darf leben, ich bin „geheilt“, Gott schenkt mir noch Lebenszeit. Dagegen stecken Heinrich sowie einige andere Krebskranke, für die ich täglich bete, noch mitten drin. Offensichtlich hat der Krebs nur ein „kurzes Gastspiel“ bei mir gegeben.

So langsam werde ich ruhiger und gelassener, versuche die glückliche Mitteilung zu verarbeiten. Andere machen vielleicht ein Fass auf, lassen die Tassen scheppern…. Was mache ich? Ja, was mache ich nun? Ich weiß es (noch) nicht, es ist alles viel zu frisch.

anna-von-nebenanWährend ich noch nachdenklich und traumversunken in meinem Schreibtischstuhl hänge, von Sitzen kann nicht die Rede sein, schellt es. Meine Nachbarin überreicht mir einen heißen Topf dampfender Nudeln mit einer leckeren Tomatensoße: „Ich habe mich verschätzt und zuviel Nudeln genommen“. Ich bedanke mich und sage: „Sie sollten sich öfters mal in der Essensmenge verplanen“.

Heute läuft alles rund. Nein, nicht ganz, mein USB-HUB hat den Geist aufgegeben. Ist aber auch kein Problem, so ein Teil bekommt man heute schon für 7 €. An einem solchen Tag nach BS fahren? Das könnte gefährlich werden, denn mein Geld hängt, und das passiert äußerst selten, heute mal sehr locker. So etwas muss man einfach ausnutzen.

Heute will, heute muss ich den Tag (aus)nutzen, komme aber „zum Glück“ nicht weit. Nachdem ich in einem Ramschladen ein Laminiergerät entdecke, welches ich für jemand kaufen soll, sehe ich noch einen HUB, der sogar 2 € billiger ist als in Braunschweig. So konnte ich mir 60 Kilometer sparen und komme auch nicht in Versuchung irgendwo mal wieder zuzuschlagen.

Was fange ich mit dem Rest des denkwürdigen Tages an? Am liebsten würde ich ein Glas Wein trinken. Wann habe ich das letzte Mal Alk getrunken? Vielleicht vor 10 Jahren? Ich weiß es einfach nicht mehr, es ich mir auch total schnuppe. So schreibe ich bei klassischer Musik meinen Blog und, das ist jetzt keine Floskel, freue mich. Ich weiß gar nicht wie viele Geburtstage ich in den letzten 18 Monaten gefeiert habe. Und nun kommt noch einer dazu. Hereinspaziert: Dankbares Leben, jetzt darfst Du gelebt werden, auch wenn erst einmal nur für 3 Monate. Und so mache ich das Fenster zum Leben auf und erfülle meine Umgebung mit meiner Dankbarkeit. Ich hoffe, sie hält bis zu meinem letzten Atemzug.

fenster-zum-leben

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Responses

  1. Wir freuen uns mit über das gute Ergebnis.

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  2. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Geburtstag!
    Da hüpft das Herz, nicht wahr?

    Wenn ich das lese, frage ich mich, wie ich mich heute über die kleine Nichtigkeit aufregen konnte, dass mir die komplette Produktliste meines Shops „abhanden“ kam und (hoffentlich nur vorübergehend) im virtuellen Nirwana verschwand. Peanuts.

    Liebe Grüße!

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    • Na, ich denke, dass das Kind von Elisabeth etwas mehr hüpfte als Dein Herz. hihihii Komisch, wenn ich das Wort „hüpfen“ höre und lese, denke ich an den Winzling Johannes…. Auf denn, lasst uns mal hüpfen……

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  3. […] bleibt mir dieses Gedächtnis lang erhalten … Mehr Gedanken zum Thema Dankbarkeit habe ich Dankbarkeit gefunden. Oder ihr lest bei Mara Stix […]

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