Verfasst von: Hao | 16. Dezember 2008

Krippe und Kreuz gehören zusammen


Dienstag, 16. Dezember 2008

Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.
Jesaja 53,3

Die Soldaten zogen Jesus einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. Markus 15,17-19

im000613Ich gebe zu, ich habe mich heute um 7 Uhr über die Losung anfänglich geärgert. Was haben sich die Herrschaften aus der Herrnhuter Brüdergemeine eigentlich bei der Wahl der heutigen Losung gedacht? Mit diesen Worten killen sie doch förmlich jede Form von  Weihnachtsstimmung. Ich will einen Stall sehen, das Schreien eines Kindes hören, eine erschöpfte, aber doch überglückliche Mutter sehen, auf die Engel nicht verzichten. Ich will Weihnachtsfreude haben und mich nicht mit einem Schmerzensmann auseinandersetzten. Und mit was werde ich heute in der Früh von Schwester Traudel geweckt? Mit dem Haupt voll Blut und Wunden. Eine Lehrerin würde sagen: „Thema verfehlt!“

Das war mein erster Eindruck, aber zum Glück nur der erste. Doch der zweite folgt zugleich. Und der macht mich ruhig und nachdenklich. Hao, so sage ich mir, Hao, Weihnachten ist nur die eine Seite der Medaillie, die schöne, die schillernde, die, mit der man jeden Menschen beglücken kann, womit sogar die Wirtschaft nicht unerheblich angekurbelt wird. Aber mit dem gekreuzigten Jesus?

Mir ist heute wieder neu aufgegangen, dass Krippe und Kreuz nun mal nicht zu trennen sind, es sei denn, man lässt Jesus zu einem Manager des Einzelhandels verkommen. Ist es ein Zufall, dass die Krippe und das Kreuz aus dem gleichem Material, aus Holz sind? Seltsam, wir kennen viele Weihnachtslieder auswendig, zumindest die ersten Strophen, aber wenn es um die Passionstexte geht, verstummen wir. Weihachten ohne die Freude des geborenen Christus ist genau so schlimm wie Karfreitag ohne Trauer über den Gekreuzigten und Ostern ohne Freude über den Ausruf  „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“.  Lasst uns beide Ereignisse in unmittelbarer Nähe sehen, damit wir erkennen, wie der Herr liebt. Nur in dieser Sicht befreien wir das Weihnachtsfest von aller Gefühlsduselei. Christen sehen über der Krippe nicht nur das aufgerichtete Kreuz, sondern auch immer das leere Grab. Und das ist gut so.

offenes-grabHeute ist die erste „passive“ Teilnahme an einer Beerdigung nach meiner Krankheit. Nein, wieder nichts von einer Routine gemerkt. Genau das Gegenteil: Ich nehme alles so auf, als wenn es meine eigene Beerdigung wäre. So habe ich noch nie eine Beisetzung erlebt. Immer wieder kommt der Gedanke auf: Im Grunde müsstest Du doch in dem Sarg liegen. Warum läufst Du eigentlich so fröhlich durch die Landschaft? Als ich am offenen Grab stehe, bete ich leise: „Danke Herr, dass ich leben darf“. Ein solches Gebet habe ich noch nie gesprochen. Ich weiß auch nicht, wieso es  mir plötzlich in den Sinn kommt. Aber es liegt  mir auf dem Herzen und muss einfach raus.

Bei der Nachfeier bin ich nicht sonderlich gesprächig. Warum? Das kann sich wohl jeder denken.

Wieder in meinem Kobel angekommen, lasse ich erst einmal alles sacken. Ich merke, dass ich nicht mehr so schnell umschalten kann. So werde ich es auch nie verstehen, dass manche Trauergäste den ca. zehnminütigen Weg von der Kapelle bis zum Grab mit einem Gang über einen Wochenmarkt verwechseln. So etwas habe ich schon immer gehasst. Warum kann man in dieser Zeit nicht einmal schweigen?

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