Verfasst von: andy55 | 14. November 2008

Anton und mein verlorener Handschuh


arnis1Freitag, 14. November 2008

„Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.“ Hiob 2,11.13

„Jeder von uns lebe so, dass er seinem Nächsten gefalle zum Guten und zur Erbauung.“ Römer 15,2

Es gibt die Sprache mit Worten und mit Händen. Es gibt die Sprache der Augen und des Körpers. Und es gibt die Sprache des Schweigens. Der alte Abt eines Klosters fühlt nach einem langen und mühevollen Leben, dass es wohl bald mit ihm zum Ende kommt. Da möchte er noch einmal seinen besten Freund besuchen, um von ihm Abschied zu nehmen. Ein junger Mönch begleitet ihn auf der langen und schwierigen Wanderung in das Bergkloster. Dort fallen sich die beiden alten Freunde in die Arme und freuen sich am Wiedersehen. Nun setzen sie sich nieder und blicken sich schweigend an. Nach einigen Stunden erhebt sich der Abt, nimmt den Arm des jungen Mönchs und macht sich mit ihm auf den Heimweg. „Warum habt ihr nicht miteinander gesprochen?“, fragt der junge Mönch. Und der Alte antwortet ihm: „Reden kann ich mit jedem Menschen auf der Welt, aber zum Schweigen braucht man einen wirklichen Freund!“ In den Stunden des Schweigens hatten die beiden Männer mehr an Gemeinschaft und Teilhabe erfahren als im Reden. Denn in der Stille redet das Herz, und in der Stille redet Gott zu uns und wir mit ihm.

Wie Mann sich doch täuschen kann: Anton sitzt beim Frühstück neben mir. Ihn hat es mal wieder, wie mich auch, an den Katzentisch verschlagen. Jetzt oder nie.

Es entfaltet sich ein hochinteressantes Gespräch, wobei mir scheint, dass er nur auf eine Ansprache gewartet hat. Ich lerne einen gebildeten, rund 45 Jahre alten äußerst sympathischen Mann kennen. Es sprudelt bei nur so bei dem gelernten KFZ – Mechaniker, der dann als Rettungssanitäter und nun als Krankenpfleger arbeitet. Hodenkrebs mit Niederschlag auf das lymphatische System. Er erzählt mir seine Krankengeschichte, die an vielen Stellen meiner ähnelt, aber an anderen wieder total unterschiedlich ist. Ich achte nicht mehr auf seine seltsamen Essgewohnheiten. So gibt Anton, der ja schließlich vom Fach kommt, wertvolle Tipps, auch was mein permanentes Kribbeln in den Beinen betrifft. Das Gespräch mit ihm erweist sich als große Bereicherung, ich glaube für beide Seiten. Ich werde dranbleiben..

Das Beschwerdemanagement im Hause scheint meine Hinweise, die ihnen seit nunmehr einer Woche vorliegen, offensichtlich nicht ernst zu nehmen, denn ich habe bis jetzt immer noch keine Nachricht, obwohl sich inzwischen rausgestellt hat, dass ich mich in einem Punkt geirrt habe. Seltsamer Stil. Erst wird man animiert, seine Probleme zu äußern, dann wiederum gibt es keinerlei Reaktion. Aussitzen und schweigen wäre die einfachste Lösung, denn der Patient fährt bekanntlich bald wieder nach Hause. Dann hat sich das Problem von selbst geklärt. Ich frage heute nach und bekomme die nun wirklich nicht überzeugende Antwort „Weil sie verschiedene Bereiche angesprochen haben, muss das Schreiben auch verschiedenen Stellen vorgelegt werden“. Eine faulere Ausrede habe ich auch noch nicht gehört.

In meiner Reha – Freiheit fange ich an die Termine umzulegen. Manchmal sind diese so komisch geplant, dass mir z.B. die Muckibude den ganzen Nachmittag auseinander reißt. Nun könnte ich eine Eingabe schreiben, ins Büro gehen und noch etliche Klimmzüge veranstalten, wobei das Ergebnis noch offen ist. Ich kann aber auch sagen: Ich gehe einfach am Morgen zum Muskelaufbautraining, anschließend ins Wasser und schon habe ich wieder einen ganzen Nachmittag frei. Gesagt, getan. Natürlich gibt es keine Probleme, denn es sind immer einige Geräte unbenutzt. Man(n) muss sich nur zu helfen wissen.

Offensichtlich weiß ich das beim Schwimmen nicht, denn da bin ich unerwünscht, obwohl ich von meinem Therapieplan um die richtige Zeit am richtigen Ort bin. Trotzdem liegt der Fehler bei mir, ich habe den alten Plan mitgenommen und vergessen, dass ich eine Veränderung erhalten hatte, diese aber ins Nachttischfach legte und sie nicht weiter beachte. Pech für mich.

arnis2Sofort nach dem Mittag mache ich mich auf nach Arnis, der kleinsten Stadt Deutschlands. Das Fisselwetter stört mich nicht, ich bin warm angezogen und rundum abgedichtet. Das malerische Dorf, welches nur aus einer Straße besteht,  präsentiert sich als eine Geisterstadt, in dem nur die Müllabfuhr aktiv ist. Ich fotografiere viel, besonders interessiere ich mich für die Kirche, die aber geschlossen ist. Später beim Abendessen höre ich dann, dass der Schlüssel beim Metzger abgeholt werden kann. Hätte ich früher wissen sollen. So schaue ich mir intensiv den Friedhof um die Kirche an, zumal das Wetter auch eine diesbezügliche Stimmung verbreitet. Es passt heute eben alles zusammen.

schluselkastenAuf dem Rückweg mache ich noch einen Abstecher in die Welt und schaue bei Aldi und Lidl rein, jeweils mit einem Erfolg Ich kaufe mir eine Armbanduhr, ein Handy ersetzt nun einmal auf Dauer keine Uhr, und ein Schlüsselbrett aus Edelstahl. Ich muss endlich mal Ordnung in meine Schlüsselverwaltung bekommen, es reicht so langsam.

Gegen 16 Uhr bin ich wieder in Schönhagen, um einen weiteren Drachensteigeversuch zu unternehmen. Aber dazu kommt es erst gar nicht, denn beim Aussteigen fällt mir auf, dass mein zweiter Handschuh fehlt. Was nun?
Ich bin mir sicher, dass ich ihn auch wirklich mitgenommen habe. Ich hänge an dem Teil, auch wenn er nur einen hohen ideellen Wert darstellt, ich ihn aber täglich für meinen Hühnerschreck benötige. Ich fasse mir ein Herz und fahre die Strecke zurück, bei rund 10 Kilometer kein großes Problem. Wie soll ich das Pferd aufzäumen? Ich entschließe mit möglichst schnell den Weg zu gehen, den ich auch vor rund zwei Stunden gegangen bin. Vielleicht habe ich Glück. Und Ihr glaubt es nicht:handschuh-in-arnis2 Ich habe es: Nach ungefähr 400 Meter sehe ich etwas Schwarzes, Nasses und platt Gefahrenes mitten auf der Straße liegen. Es ist mein Handschuh. Na, da hat sich mal wieder der Hao gefreut. Zweimal verloren, zweimal wieder gefunden. Nun soll es aber auch reichen mit dem Verlieren, aber auch mit dem Finden.

Heute Abend wird in Damp getanzt. Ich bin nicht dabei. Ist mir ein zu großer Umstand. Außerdem bin ich passionierter Nichttänzer, fällt mir doch auch jetzt wieder der Spruch ein: „Das Bein, das ich zum Tanzen regt, das wird im Himmel abgesägt.“ So, mein lieber Wilhelm aus Isenbüttel, nun bist Du wieder dran. hihihi

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