Verfasst von: andy55 | 7. November 2008

Neues von der Sklerosefront


Freitag, 7. November 2008

„Der HERR steht da zum Gericht und ist aufgetreten, sein Volk zu richten.“ Jesaja 3,13

„Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.“
1.Johannes 4,17

Um 1740 suchte eine Gräfin für ihren Jungen einen Erzieher. Man empfahl ihr den später berühmt gewordenen Dichter Gellert. Die Gräfin ließ den jungen Gelehrten kommen und war tief beeindruckt von dessen schlichter Frömmigkeit und großer Klugheit. So machte sie ein Angebot großzügiger Vergütung und stellte auch sonst sehr angenehme Bedingungen. Doch zum Schluss sagte sie:
„Ich bitte mir eines aus. Sie genießen wegen Ihrer Gelehrsamkeit den besten Ruf. Ich verlange nichts weiter als einen leichten Anstrich von Sprachen, Geographie und Geschichte. Sie genießen wegen Ihrer Frömmigkeit den besten Ruf. Machen Sie aber aus meinem Jungen keinen ständig betenden Christen. Es genügt mir vollkommen, wenn mein Sohn die zehn Gebote lernt und sonntags in die Kirche geht. Verstehen Sie mich recht, ich verlange von allem nur den rechten Anstrich!“ – Gellert erwiderte ihr: „Gnädige Frau, wenn das Ihr Ernst ist, rate ich Ihnen, nehmen Sie lieber einen Anstreicher!“ Empfahl sich und ging fort.

Ist unser Glaube an Jesus nur ein frommer Anstrich eines ichsüchtigen Lebens oder die tiefe Durchdringung unseres Seins von den Kräften Jesu? Ist unsere Frömmigkeit nur hübsche Dekoration oder die Grundlage, auf der wir stehen?
Ist Gott nur die Girlande unseres Lebens oder der Herr, auf den alles hinzielt? Gott will uns nicht von außen fromm anstreichen, sondern er möchte uns von innen her erneuern. Ich hoffe, dass Dir und mir bald die Farbe ausgeht, denn nicht nur im Nachbessern sind wir doch alle Meister, oder?

Wie? Was? Und ich könnte schwören, dass ich gestern allein ins Bett gegangen war, als ich das Licht löschte. Und dennoch ist da so was Komisches, was nicht hierhin gehört. Also mache ich die Lampe wieder an. Was entdecke ich?
Meine schon oft verlorene flüssige Seife. So eine Vergesslichkeit, oder sagen wir Schusseligkeit, dem Begriff Sklerose hab ich nur verwendet, um Euch mal zu zeigen, dass ich es in medizinischen Ausdrücken schon, dank intensivem Unterricht von Schwester Jutta, weit gebracht habe, hat doch auch was für sich. Fast jeden Tag erlebe ich mindestens ein Erfolgserlebnis. Ok, es könnte auch anders sein, aber ich freue mich eben auch über solche Dinge.

Der gestrige Tag war wirklich die absolute Härte. Soviel Sport und Bewegung habe ich in 24 Stunden wohl noch nicht getrieben, wenn ich mich richtig erinnere. Ich bin beim Abendessen so schlapp, dass ich nicht mal mehr mit Messer und Gabel essen kann. Da ist  einfach nichts mehr drin.
Dementsprechend tief und fest schlafe ich denn auch in der Nacht, die ich aber bereits wieder um 6.30 Uhr beende, nach dem doch tagsächlich eine Führungsposition meiner alten Versicherung mich wieder einstellen will. So schnell habe ich noch nie einen Traum abgebrochen. Ne. Herr XY, das läuft mit dem Herrn Hebbinghaus nicht mehr, die Zeiten sind vorbei. Und das schönste: Er hat es auch nicht mehr nötig, er darf es auch nicht mehr.
Basta. Da suche ich doch lieber meine flüssige Seife.

aushangFür Sonntag will ich es wissen. Gestern entdeckte ich ein Schwarzes Brett von und für Patienten. Heute werde ich es benutzen und den abgebildeten Aushang veröffentlichen. Jetzt bin ich wirklich mal gespannt, was nun passiere wird.

Heute wird auch wieder Sport gemacht, was denn auch sonst? Am Morgen drehe ich im Hallenbad wieder meine Runden, die flüssige Seife steht`s im Hinterkopf. Kurz nach Mittag auf in die Muckibude. Die Geräte habe ich schon alle unter Kontrolle, langsam macht es sogar spaß. Das Blöde daran ist nur, dass man sich dabei immer bewegen muss.

muckibudeHabe ich heute noch nicht über meine Sklerose geschrieben? Dann wird es aber höchste Zeit. Am Nachmittag ist es dann so weit. Meine Handschuhe sind futsch, alles Durchsuchen bringt nichts. Auf zur Rezeption: Fehlanzeige.
Missmutig will ich diese verlassen, da entdecke ich an der Garderobe das Kleidungsstück. Sie waren genau an der Stelle, an der ich sie vor zwei Tagen hin gehangen hatte. Nun kann nichts mehr passieren, denke ich, aber es kommt noch schlimmer. Am Strand steige ich von meinem Hühnerschreck ab und fotografiere. Doch als ich weiterfahren will, stelle ich fest, dass ich nur noch einen Handschuh besitze. Ich beginne die halbe Ostsee abzusuchen, so groß ist das Gebiet auch nicht, in den ich mich ca. 20 Minuten aufgehalten hatte. Doch das Suchen brachte nichts. Die Hunde von einigen Spaziergängern konnten auch nichts ausrichten. Ich war schon sauer, denn zweimal am Tag muss man nicht  eine Sache verlieren. Missmutig gehe ich zum Hühnerschreck.
Plötzlich erinnere ich mich, dass ich auch in unmittelbarer Nähe die ersten Bilder gemacht hatte. Ich schaue noch einmal nach: Bingo, die Welt ist wieder in Ordnung. Was bin ich froh.

strandwatteIch setze meine Fahrt am Ufer fort, möchte mal weit fahren, aber nach 3 Kilometern geht nichts mehr. Ein großes Firmengelände versperrt die Weiterfahrt. Also Kiste umdrehen und den Weg wieder zurück fahren. Wieder in Schönhagen angekommen, setze ich mich rund 40 Minuten auf eine Bank. Es weht ein angenehmer, fast warmer Wind, so dass ich nicht friere und genieße, wie die Dunkelheit das verhältnismäßig ruhige Meer in ein immer grauer werdendes friedliches Nichts verwandelt, welches nicht mehr durchzublicken ist. Auch im Herbst kann man wunderschöne Stunden am Strand erleben, die kostbar sind und die man nicht mehr missen will.

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Responses

  1. Pfarrer Albertz meinte gern, „in einem geordneten Haushalt gibt es nichts, das nicht durch längeres konzentriertes Suchen aufgefunden werden könnte.“ Recht hatte er.
    (Seine – und meine – Frau sind anderer Ansicht…)

    Mein Auto hat auch die Verlier-Krankheit: ein Felgendeckel ist gestern abgeflogen. Ich hab ihn trotz intensiven Suchens auf der gesamten gefahrenen Strecke nicht wiedergefunden. Leider sind diese Dinger ziemlich teuer…

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  2. Ich lass mal wieder einen kleinen Gruß hier:

    http://de.youtube.com/watch?v=vg-P03uB6kc&feature=related

    Alles Liebe!

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  3. Lieber Herr Hebbinghaus,

    offensichtlich haben Sie mich mißverstanden.

    Ich habe Ihnen nicht gesagt, daß Ihre Gefäßsklerose für Ihre Schusseligkeit verantwortlich ist. Ich habe Ihnen gesagt, Sklerose übersetzt man häufig mit „Verkalkung“.
    Sie sind aber nicht verkalkt, sie sind schusselig.
    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

    Liebe Grüße,

    Weißkittel Jutta

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  4. Ach Hao,
    mach Dir nichts draus, ob vergesslich, verkalkt oder schusselig, wie auch immer manch einer das nennen mag.
    Gott liebt Dich so wie Du bist.

    Du kannst nicht tiefer fallen
    als nur in Gottes Hand,
    die er zum Heil uns allen
    barmherzig ausgescpannt.

    Gruß Christine

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