Verfasst von: Hao | 25. Januar 2012

Geistliche Rechtrückanstalt

Mittwoch, 25. Januar 2012

Naaman sprach: Dein Knecht will nicht mehr andern Göttern opfern, sondern allein dem HERRN. 2.Könige 5,17

Jesus Christus ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Kinder, hütet euch vor den Abgöttern! 1.Johannes 5,20-21

Abgötter gibt es an jeder Ecke unseres (frommen) Lebens. Meistens sehen wir diese in unfrommen Ecken. Doch dass sie auch aus ganz normalen Bereichen kommen können, sollte hier nicht verschwiegen werden. Alle Anbetung von Göttern außer dem “Vater Jesu Christi” wird als Abgötterei bezeichnet. – Wer den “Vater und den Sohn” leugnet, der ist nicht im rechten Glauben. Wer ihn aber als Anlass sieht „über Leichen zu gehen“, wird den Kürzeren ziehen.

Irrungen und Wirrungen. Hier lässt nicht nur Herr Fontane grüßen. Dass ich von klein auf immer über meinen geistlichen Horizont geschaut habe, sei nur am Rande erwähnt. Hier hatte ich auch schon einmal darüber geschrieben.

In der Zwischenzeit habe ich so fast alles abgegrast, was sich auf dem pseudoreligiösen Markt tummelt. Da gibt es Menschen, denen würde man geistliche Eskapaden an keiner Stelle zutrauen, sind sie doch im Echtzeitleben richtige Persönlichkeiten. Da gibt es aber auch andere Erscheinungen, die einfach nur krank sind, weil sie jeden Bezug zu Realität und Wirklichkeit absolut verloren haben. Dass sie es aber an keiner Stelle merken und meinen, sie allein wären Vertreter des richtigen Glaubens, treibt oft seltsame Blüten, die sie dann sogar vor den Kadi bringen. Derzeit geht ein Fall ganz in meiner Nähe durch die nicht nur fromme Presse. So lese ich heute in Idea:

“Der unter anderem wegen Kindesentziehung angeklagte bekennende Christ Axel Hüls (Hermannsburg bei Celle), hat seine Taten vor dem Landgericht Lüneburg mit seinem Glauben an die Bibel begründet.

Der 38-jährige arbeitslose Krankenpfleger hatte im vergangenen Jahr seine vier minderjährigen Kinder nach Nordafrika gebracht. Nach 136 Tagen hatte ihn die Polizei am 7. September in Kairo aufgespürt und mit seinen Kindern Jonas (9), Benjamin (7), Miriam (5) und Lisa (4) nach Deutschland gebracht. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Am ersten Verhandlungstag am 24. Januar begründete Hüls seine Taten damit, dass er seine Kinder vor der Erziehung durch seine von ihm getrennt lebende Ehefrau Katja schützen müsse. Die 31-Jährige, die einen Lebensgefährten hat, sei eine Ehebrecherin und betreibe Unzucht. Hüls wollte es nicht hinnehmen, dass seiner Frau im April 2011 das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden war. Wenige Tage vor Ostern verschaffte er sich mit einem nachgemachten Schlüssel Zugang zu ihrem Haus und entwendete die Pässe, Geburtsurkunden und Sparbücher der Kinder. Dann holte er die Kinder angeblich zu einem Osterausflug ab, flog aber mit ihnen nach Ägypten, um dem Zugriff der Polizei zu entgehen. Zeitweilig hielt er sich mit ihnen auch im Sudan auf. Die Staatsanwaltschaft wirft Hüls neben Kindesentziehung auch Einbruch und Diebstahl vor. Kindesentziehung sieht eine Strafe von bis zu fünf Jahren Haft vor, in schweren Fällen bis zu zehn Jahren.

Frau Hüls sagte aus, dass ihr Mann sich seit Jahren immer mehr in die Bibel vertieft und von der Familie entfernt habe. Nachdem er im Jahr 2004 arbeitslos geworden war, habe er keine neue Tätigkeit in seinem Beruf aufgenommen, weil er dies nicht mit seinem Glauben vereinbaren könne. Er habe Missionar werden wollen, aber keine ihm geeignet erscheinende Bibelschule gefunden. 2005 trat Hüls aus der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche aus, weil ihm die theologisch konservative Freikirche zu liberal erschien. Im Jahr 2009 trennte sich Frau Hüls von ihm und fand einen neuen Partner, mit dem sie jedoch nicht zusammenlebt. Hüls selbst sieht den Lebenswandel seiner Frau als Sünde an. Das könne er aus biblischer Sicht nicht zumuten. Dass die Justiz seiner Frau das alleinige Sorgerecht zugesprochen hat, könne er nicht akzeptieren; für ihn sei das Recht Gottes höherrangig”.

Schlimm bei Menschen dieser Couleur ist die Tatsache, dass sie überhaupt kein Unrechtsbewusstsein haben. Einbruch, Diebstahl, Kindesentführung…. Alles ist erlaubt, wenn es denn dem Herrn dienen sollte. Schon gut, dass der Angeklagte keine Bibelschule gefunden hat. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es eine Ausbildungsstätte in Deutschland gibt, die einen solchen Menschen aufnehmen würde. Eine geistliche Rechtrückanstalt wäre da wohl besser angebracht. Dass solche Menschentypen, auch wenn sie 24 Stunden von Jesus reden, psychisch absolut gefährdet sind, dürfte wohl außer Zweifel stehen.



Antworten

  1. Es ist nur schade dass durch solch einen Menschen wie du ihn oben geschildert hast, der wahre Glaube in ein falsches Licht gerückt wird

    • Und wer am lautesten schreit: “Ich weiß alles besser, ich hab es von Gott persönlich”, hat am wenigsten verstanden und ist am weitesten von ihm weg.

  2. das ist ja der Hammer!
    ich habe davon gehört , das ist wirklich krankhaft

    • Das ist nur die Spitze des Eisbergs….

  3. “Schlimm bei Menschen dieser Couleur ist die Tatsache, dass sie überhaupt kein Unrechtsbewusstsein haben. Einbruch, Diebstahl, Kindesentführung…. Alles ist erlaubt, wenn es denn dem Herrn dienen sollte.”
    Allein diese Äußerung zeigt, daß sein Schreiber weder Axel Hüls noch die Gesetzeslage kennt.
    “Kein Unrechtsbewußtsein” ist doch wohl völlig daneben, wenn sich jemand ausdrücklich auf die Gesetze GOTTES und auf das Grundgesetz (Art. 6) beruft, weil diese Gesetze sein Handeln tatsächlich rechtfertigen.
    Es hätte also schon wenigstens “kein Schuldbewußtsein” heißen müssen.
    Und wie steht es mit dem “Unrechtsbewußtsein” bei Frau Hüls und dem Schreiber dieses Artikels? Ist Ehebruch Unrecht oder nicht?
    Ist feministische Kindesentziehung unter Mißbrauch staatlicher Gewalt Unrecht oder nicht?
    Ist die staatliche Ungleichbehandlung von “Fundamentalisten” Unrecht oder nicht?
    Ist die Entziehung von Grundrechten (Art. 3,4,5,6) kraft demokratisch-fundamentalistischer Vorurteile Unrecht oder nicht?
    Wer setzt denn letztendlich fest, was letztgültiges Recht ist oder nicht? – Der Staat oder GOTT?
    Wie weit darf denn die “Gewissensfreiheit” reichen? – Bis zu GOTT oder nur bis zur herrschenden Rechtssprechung, die Gesetzesauslegungen, -anwendungen und Urteile beliebig politischen Interessen anpasst?
    Wer sich die Gesetze GOTTES nicht aufs Herz schreiben läßt, kann nicht beanspruchen im Neuen Bund zu leben und ist somit kein wahrhaftiger Christ!

    • Ich habe mir angewöhnt Kommentare nicht mehr zu beantworten, wenn ich solche oder ähnliche Sätze lesen muss wie diesen: “Wer sich die Gesetze GOTTES nicht aufs Herz schreiben läßt, kann nicht beanspruchen im Neuen Bund zu leben und ist somit kein wahrhaftiger Christ!” Wer sich dann noch hinter der Mailadresse “Lehre-des-CHRISTUS-Dienst” versteckt, erreicht bei mir nur ein Kopfschütteln. Dass mich Stil und Inhalt an jenes gesperrte “Milchgesicht”, wie die Selbstbezichtigung damals lautete, erinnert, sei nur am Rande erwähnt.


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