Verfasst von: Hao | 19. April 2009

Jesus ist das Ende jeglicher Religion

bittlinger

Komm herein, komm herein! Dieses Lied erklingt heute zu Beginn des Gottesdienstes? Warum? Jutta wird heute offiziell durch ihre Mitgliedschaft in der    Evangelischen Gemeinschaft Gifhorn, eine so genannte „Doppelschwester“. Wir haben uns gegenseitig sehr viel zu verdanken. Im Grunde sind wir uns zum Lebensretter geworden. Schwester Jutta hat mich aufopferungsvoll durch die portspuelungschwersten Stunden meines Lebens begleitet, dabei auch sehr viel von ihrer Freizeit eingesetzt. Ich durfte bei ihr die „Inizialzündung“ für ein Leben mit Jesus sein. Lange Zeit habe ich meinen Krebs nicht einordnen können. Inzwischen weiß ich aber, dass die schwere Krankheit einen wichtigen Sinn hatte, nämlich die Bekehrung (m)einer Krankenschwester.

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes wird sie von Schwester Traudel interwievt. Hier nun das Zeugnis von Schwester Jutta:

erstkommunion-1963„Aufgewachsen in einer katholischen Familie, waren mir regelmäßige sonntägliche Gottesdienstbesuche, das Morgen- und Abendgebet, sowie das Tischgebet vor dem Essen, selbstverständlich. Noch heute habe ich das Bild meiner Mutter vor Augen, wie sie jedes Brot vor dem Anschnitt mit dem Kreuzzeichen versah, wie sie uns Kindern am Morgen vor dem Verlassen des Hauses das Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn zeichnete.

Meine Schulausbildung erhielt ich in einer katholischen Privatschule. Der tägliche Unterricht begann und endete mit einem Gebet oder gemeinsamen Lied. Einmal wöchentlich, immer am Mittwoch, gingen wir gemeinsam zum Gottesdienst, der in unserer Turnhalle stattfand.

So wuchs ich in einer katholisch geprägten Atmosphäre auf und glaubte, alle Nichtkatholiken wären  von: „Gott Abgefallene“.

koelner-domAls Jugendliche im Alter von 13 oder 14 Jahren stellte ich immer mehr die katholische Kirche in Frage, weil die Widersprüche für mich einfach zu groß wurden. Meine Fragen, meine Zweifel,  wurden nicht beantwortet. Niemand erzählte mir etwas über die Liebe Gottes für den Menschen, immer ging es nur um Gericht, Strafe und Sünde.

Mir erschien es unmöglich vor Gott zu bestehen. Da half mir auch Beichte und Buße nicht.

ausgetretenAls junge Frau beendete ich mein angespanntes Verhältnis mit der katholischen Kirche. Anfangs fühlte ich mich befreit, aber irgendwann kamen Zweifel.

Mein Glaube an die Existenz Gottes war vorhanden, aber ich hatte gelernt, wer sich von der kath. Kirche abwendet, wendet sich von Gott ab.

Treubruch ist Verrat an Christus“

kommunion1

So bekam ich es schriftlich zu meiner Ersten heiligen Kommunion ausgehändigt.

Das war für mich ein Riesenproblem, musste ich doch davon ausgehen für immer verloren zu sein. Keine Chance auf ein Leben nach meinem Tod im Himmel mit Gott. Für mich war klar, ohne katholische Kirche kein Leben in der Ewigkeit.

Ich heiratete einen „bekennenjutta-24-jahreden Atheisten“, wie sich mein Mann selbt bezeichnete, der ebenfalls aus der katholischen Kirche ausgetreten war. Als Kinder gingen wir auf die gleiche Schule.

Ich hoffte so alles hinter mir zu lassen, von Gott los zu kommen. Es klappte nicht, Gott lies mich nicht los.

So wurde ich zum Grenzgänger. Mal war ich auf der Suche nach Gott, hielt mich für gläubig. Dann wiederum erschien mir alles mit Gott aussichtslos.

Hin und wieder besuchte ich evangelische oder katholische Gottesdienste, ließ meinen Sohn evangelisch taufen und konfirmieren. Alles hilflose Versuche einen Zugang zu Gott zu bekommen, es gelang mir nicht.

Es folgte eine Zeit zwischen Suche und Verdrängung.

arbeitsplatzDurch meine Arbeit als Krankenschwester in der Ambulanz einer Krebsstation stand mir täglich die Endlichkeit auch meines  Lebens vor Augen.

Hier zu verdrängen wurde für mich immer schwieriger.

In dieser Situation begegnete mir im Oktober 2007 ein Patient  mit Lymphdrüsenkrebs. Seine Krankheit war zu diesem Zeitpunkt schon soweit fort geschritten, dass die Ärzte ihm mitgeteilt hatten, dass es „Weihnachten des gleichen Jahres für ihn eng werden könnte.“

chemozeitenhao-april-2009Diese Begegnung sollte mein Leben von Grund auf ändern.

Nebenbei gesagt: Mein Patient hat inzwischen schon das zweite Weihnachtsfest ohne Komplikationen gefeiert.

Schnell erzählte mir mein Patient, den ich während seiner Chemotherapie betreute, über seinen Glaubennichts-geht-mehr. Ganz gelassen sprach er über seinen eventuell anstehenden Tod und sagte:“ Egal wie das Ganze hier für mich ausgeht, ich stehe auf der Seite des Siegers.“

Dieses, im wahrsten Sinne des Wortes, „GOTTVERTRAUEN“, spürte ich diesem totkranken Mann ab.

neues-blutDa waren keine Floskeln, keine fromm – leeren Sprüche. Das war gelebte Zuversicht in Gott. Mein Chemopatient  sprach von ihm wie über einen guten Freund, der immer für ihn da ist. Der Kranke hoffte nicht nur, nein er wusste, dass er nach seinem unter Umständen baldigen Tod zu Gott kommen würde.

Und das ohne Mitgliedschaft in der katholischen Kirche!

Das wollte ich auch, diese Zuversicht, dieses Geborgensein in Gott.

Wir unterhielten uns ioekomenemmer häufiger über Themen des Glaubens und so manche kontrovers geführte Diskussion folgte.

Als ich einmal über meinen Zorn auf die kath. Kirche und meine Zweifel an den Religionen sprach, sagte mein Patient folgenden Satz:

JESUS IST DAS ENDE JEGLICHER RELIGION!

Wie sich später herausstellen sollte, war das für mich der Schlüsselsatz.

Tagelang dachte ich darüber nach.

Anfangs hielt ich es für “Blasphemie“. Ist Jesus nicht geradezu die Galionsfigur der christlichen Religion? Dann war meine Überlegung: Wer ist eigentlich Jesus?

lichtVerwundert stellte ich fest, dass ich nur wenig über ihn wusste. Natürlich hatte ich über Jesus gehört. Als Kind hatte ich gelernt, dass er der Sohn Gottes ist. Ich kannte die Weihnachtsgeschichte mit Krippe und Stall und wusste von seinem Tod am Kreuz und der anschließenden Auferstehung. Aber warum hatte Jesus das alles auf sich genommen?

Ich hatte ja keine Ahnung.

Und wie kommt ein frommer Mann dazu, zu sagen:  „Jesus ist das Ende der Religion?“

Ich machte, was ich immer mache, wenn ich etwas in Erfahrung bringen möchte. Ich ging ins Internet. Bei „Google“ gab ich den Namen „Jesus“ ein und fand christliche Portale.

erkenntnisBei „Nikodemus“ und später bei „Jesus de“ erfuhr ich, es gibt Rettung für mich. Hier konnte ich nachlesen, was Jesus für mich getan hat und dass ich mit all meinen Sünden, meiner Begrenztheit, meinen Fehlern und Schwächen zu ihm kommen kann.

Ich ahnte, dass Jesus schon viele Jahre auf mich wartete, während ich immer noch in Gesetzlichkeiten, Dogmen und Lehrsätzen herumirrte. So saß ich weinend vor meinem Computer und begann langsam zu begreifen.

schwester-traudelSchritt für Schritt wurde mir klar, ich bin nicht verloren, es gibt auch für mich einen Weg zu Gott. Wie in dem Gleichnis vom verlorenen Sohn machte ich mich auf den Weg zum Vater.

Einmal los marschiert, lernte ich immer mehr gläubige Menschen kennen, die mir weiterhalfen und helfen.

So begegnete ich Sr. Traudel und kam durch sie in den ersten Glaubensgrundkurs. Hier traf ich endlich auf Menschen, die Antworten auf meine Fragen hatten.

Am Schluss des Kurses wusste ich: Jesus ist meine Rettung und ich übergab ihm mein Leben.

schwester-jutta-im-chorMit Gottes Hilfe fand ich eine Gemeinde, die mich aufnahm wie eine Schwester. Hier darf ich meine Begabungen einbringen. In meinem Hauskreis sind Menschen, denen ich vertraue. Wir lesen gemeinsam die Bibel, tauschen uns aus und beten miteinander. Früher war die Bibel für mich ein Buch mit sieben Siegeln, ich verstand nichts. Im Hauskreis ist sie für mich zum lebendigen Wort Gottes geworden. Täglich kann ich in ihr lesen und Hilfestellungen für meinen Alltag bekommen.

Mein Leben mit Jesus ist reicher und sinnvoller geworden. Jeden Morgen kanjuttas-eintrittn ich mit ihm den neuen Tag übergeben. Ich bitte ihn um Kraft und Segen für meine Arbeit und um genügend Liebe und Geduld für die Menschen, denen ich täglich begegne. Jesus ist immer bei mir und gibt mir ein starkes Gefühl der Geborgenheit. Sehr häufig schöpfe ich aus diesen Kraftreserven, die mir früher so nicht zur Verfügung standen.

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Für die Aufnahme in die Gemeinde habe ich mir aus Psalm 143 den zehnten Vers gewählt: „Lehre mich tun nach Deinem Wohlgefallen, denn Du bist mein Gott. Dein guter Geist führe mich auf der rechten Bahn“.

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Antworten

  1. Welch ein Zeugnis.
    Liebe Schwester Jutta, ich wünsche Ihnen weiterhin gute Erfahrungen und Begegnungen und Gottes Segen als Mitglied in der Evangelischen Gemeinschaft Gifhorn. Aber nicht nur da, sondern für Ihr ganzes Leben. Ob Mitglied einer Gemeinschaft oder nicht, Sie gehören zu „Gottes Bodenpersonal“ und da sind sie sicher schon vielen zum Segen geworden.
    Magdalene

  2. Liebe S. Jutta, ich schließe mich den Wünschen von Magdalene an. Von ganzem Herzen Gottes reichen Segen zu Ihrer Aufnahme in die Evang.Gemeinschaft. Ich freue mich sehr mit Ihnen, daß Sie Jesus in Ihr Leben aufgenommen haben. Danke für Ihr wunderbares Zeugnis.
    Bei dieser Gelegenheit auch ganz herzlichen Dank für alles, was Sie an Herrn Hebbinghaus getan haben in seiner schwersten Zeit.
    Allerbeste Wünsche für Ihren weiteren Lebensweg.
    Liebe Grüße Barbara

  3. Liebe Magdalene, liebe Barbara,

    vielen Dank für Ihre freundlichen Worte und guten Wünsche.
    Auch für Sie Gottes Segen.

    Liebe Grüße

    Jutta

  4. Lieber Herr Hebbinghaus,

    auch an Sie ein Dankeschön für Ihren umfangreichen Beitrag zu meiner Gemeindeaufnahme.

    Liebe Blogleser,
    er hat es wirklich getan.
    H.H. mutierte am Sonntag vom polnischen Erntehelfer zum Dressmann.
    Anzug, Hemd, Krawatte und geputzte Schuhe. Er war perfekt gekleidet.
    Einige hatten Mühe ihn gleich zu erkennen.
    Leider gibt es kein Foto davon.
    Liebe Grüße
    der Weißkittel

  5. Beitrag? Welcher Beitrag denn? Ich hab doch nur in der letzten Reihe rumgesessen und später dann Ihre rationierten deutlich kleineren Panzerschnitten gefuttert. Wenn dass der Beitrag ist…. So was können se öfters haben tun.

  6. Ich meinte Ihren Bericht hier an dieser Stelle.
    Ich gebe ich Ihnen recht.
    Ihr Beitrag zu meiner Gemeindeaufnahme bestand darin, Kuchen zu essen. Das aber sehr intensiv.

  7. Ach sooooo. Sie sprechen von meinem Blog. Der Kuchen war aber arg beschnitten. Warum gibt es denn da eigentlich keine Bedienung? So ein Schwerbehinderter wie ich muss sich immer zum Futtertrog aufmachen. Die Jungen können doch auch mal den Alten dienen. Machen Sie mal bei der nächsten Mitarbeitersitzung, jetzt düfen Sie ja, dieses ansprechen. Und außerdem hab ich doch meinen Stammsitz. Da könnte man doch beim Decken schon einmal drauf achten und die Fressalien da hin stellen.

  8. hallo schwester jutta,
    schön, dass sie eine dieser „doppelschwestern“ sind. ihr zeugnis, ihre geschichte zu lesen, ist einfach schön. ich liebe solche geschichten, in denen – wieder mal – gottes führungen mit menschen sichtbar werden. für ihren weiteren weg wünsche ich ihnen viel freude, neue entdeckungen des wesens gottes und möglichst wenige enttäuschungen mit seinem bodenpersonal:-)
    liebe grüsse aus dem süden,
    andy

  9. Danke Andy,

    natürlich wünsche ich mir auch möglichs wenig, oder noch besser, keine Enttäuschungen mit Gottes Bodenpersonal zu erleben.
    Aber ich weiss, Enttäuschungen mit seinem Bodenpersonal werden mich nicht mehr von IHM trennen können.:-)
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Norden
    „doppelschwester“ Jutta


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