Samstag, 28.03. 2009
Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!« Jesaja 35,4
Der Herr richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi. 2.Thessalonicher 3,5
Herr, mein Gott, es gibt Tage, an denen alles versandet ist: die Freude, die Hoffnung, der Glaube, der Mut. Es gibt Tage, an denen ich meine Lasten nicht mehr zu tragen vermag: meine überwundene Krankheit, meine Einsamkeit, meine ungelösten
Fragen, mein Versagen. Herr, mein Gott, lass mich an solchen Tagen erfahren, dass ich nicht allein bin, dass ich nicht durchhalten muss aus eigener Kraft, dass du mitten in der Wüste einen Brunnen schenkst und meinen übergroßen Durst stillst. Lass mich erfahren, dass du alles hast und bist, dass ich in dir wieder finde, was ich verloren habe. Lass mich glauben, dass du meine Wüste in fruchtbares Land verwandeln kannst.
Kaum bin ich wieder zu Hause schlägt auch schon wieder die bekannte Sklerosefront zu. Beim Kauf meines neuen Hühnerschrecks hatte ich aus Gründen der Sicherheit das Gefährt an die Transporthaltung gekettet. Hat auch wunderbar funktioniert, bis auf die Tatsache, dass ich nicht mehr weiß, wo ich denn den Schlüssel hingelegt habe. So muss der Wagen erst einmal mit samt des Hühnerschrecks eine Nacht vor dem Hause übernächtigen, weil mir nicht einfällt, wo der Schlüssel geblieben ist.
Nach einer gut durchge
schlafenen Nacht mache ich mir zuerst einmal Gedanken. Ich schaue mir die Bilder an, die ich beim Verladen gemacht habe und natürlich auch die Kleidung, die ich zu diesem Zeitpunkt getragen hatte. Wo sollte sonst der Schlüssel abgeblieben sein. Gedacht getan: Bingo. Ich finde den Schlüssel in der Hosentasche wieder. Wenn doch alles immer so schnell gehen würde.
Heute muss ich schwer ranklotzen, denn ich habe auf Grund meiner Reise bis jetzt noch nichts an meiner Predigt für den Nachmittag in Rama getan. So brauche ich auch den halben Tag, um mir Gedanken über den blinden Bettler vor Jericho zu machen, den die Jünger (?) kräftig „zusammenschissen“, als er das lautstark rief, was wir jeden Sonntag hoffentlich nicht leise in der Liturgie singen, aber dann meistens in Latein: „Kyrie Eleison“, Herr, erbarme Dich!“ Wie ich solche „Schreihälse“ liebe. Muss man bei Jesus ein Duckmäuser sein?
Nach dem Gottesdienst besuche ich noch den 81 jährigen Pastor der Pfingstgemeinde vor Ort, der im Altenheim lebt. Er hatte mich nach der Predigt um ein Gespräch gebeten. Ganz nett abgebaut hat er schon. Auch wenn sein Geist nicht mehr in allen Dingen fitt ist, so hat er immer noch ein brennendes Herz für Jesus. Er war mein erster Freund, als ich 1981 von Bochum kommend hier Wurzeln schlug. Nie werde ich seine Andacht im tiefen Russland in der
Transsib vergessen, in der er über sein verdecktes Oberhemd sprach. Bis heute kommen wir gut miteinander aus, auch wenn ich sonst mit der Pfingstgemeinde so meine Probleme habe. Aber hier gilt wie überall: „Es gibt neben der Sonne eben noch sonne und sonne … Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich.
Am Abend des arbeitsreichen Tages stelle ich fest, dass seit der Rückkehr mein Durchfall schlagartig futsch ist. Fazit: Mein Magen hat sich offensichtlich so an mein fettfreies Essen gewöhnt, dass er umgehend darauf reagiert, wenn ich mich mal einer anderen Küche hingebe. Jetzt, wo ich das weiß, mache ich mir auch keine Gedanken mehr darüber.